Koffer packen für die Demokratie: Von Schwalmtal nach Sachsen-Anhalt

Das ist Tanja mit ihrem Hund Lottchen. Tanja ist ein aktives Mitglied in unserem OV. Wir haben sie euch vor zwei Jahren schon einmal vorgestellt. Damals erzählte sie uns bereits von ihrem Engagement gegen Rechts. Jetzt geht sie noch einen engagierten Schritt weiter. Sie hat ihren Urlaub gebucht: Wahlkampfurlaub in Sachsen-Anhalt.

Wahlkampfurlaub bucht man nicht im Reisebüro. Das „Wahlkampfurlaub“-Projekt von Bündnis 90/Die Grünen ist eine solidarische Mobilisierungsaktion. Parteimitglieder und Unterstützende aus ganz Deutschland verbringen einen Teil ihres Urlaubs oder ihrer Freizeit in Regionen mit anstehenden, schwierigen Wahlen, um dort aktiv vor Ort beim Straßen-, Haustür- oder Infostandwahlkampf zu helfen. 

Spannend! Wir wollten mehr erfahren über Tanja und ihre Motivation und haben ihr ein paar Fragen gestellt:

Tanja, andere fahren zum Urlaub an die Nordsee oder machen es sich zu Hause gemütlich. Du fährst mit deinem Hund nach Sachsen-Anhalt – um Wahlkampf zu machen. Wie kommt man auf so eine Idee?

​„Ganz ehrlich? Es war eine ziemlich spontane Entscheidung. Mir ist vor Kurzem wieder eine E-Mail in den Sinn gekommen, in der um Unterstützung für den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gebeten wurde. Und wenn man sich die extrem angespannte politische Lage dort ansieht, kann man nicht einfach wegschauen. ​Ich habe mir gedacht: Meckern oder Bedenken äußern hilft dort niemandem. Man muss hin und unterstützen. Also habe ich mich entschlossen nach Sachsen-Anhalt zu fahren.“

Was genau erwartet dich dort? Weißt du schon, wo du eingesetzt wirst und was du vor Ort machen wirst?

​„Ich weiß bereits, dass ich im Wahlkampf vor Ort an Wahlkampfständen eingesetzt werde. Die konkreten Einsatzorte und Zeiten werden vor Ort beziehungsweise kurzfristig abgestimmt. Ich freue mich besonders darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und das Team dort zu unterstützen. ​Inhaltlich erwarte ich an den Ständen viele persönliche Gespräche – sicherlich auch einige kontroverse. Aber genau darum geht es ja: Präsenz zeigen, ansprechbar sein, zuhören und ins Gespräch kommen.“

Warum ist es dir wichtig, gerade in Sachsen-Anhalt zu helfen? Warum reicht es dir nicht, dich hier bei uns in Schwalmtal für die Grünen zu engagieren?

​„In Sachsen-Anhalt steht aktuell historisch viel mehr auf dem Spiel: Es könnte das erste Bundesland werden, in dem die AfD stärkste Kraft wird oder sogar regiert. ​Für mich ist das keine abstrakte Theorie: Ich habe selbst Familie mit Migrationshintergrund. Wenn man sieht, welche Rhetorik und Politikinhalte dort drohen, betrifft mich das ganz persönlich. Ich kann nicht tatenlos zusehen. Deshalb reicht es mir nicht, nur lokal aktiv zu sein.

​Mir ist dabei aber eines ganz besonders wichtig: Es geht mir absolut nicht um pauschales ‚Ossi-Bashing‘. In Sachsen-Anhalt leben keineswegs nur Rechte. Ganz im Gegenteil: Es gibt dort unzählige tolle, mutige Demokratinnen und Demokraten, die jeden Tag vor Ort Stärke zeigen. Ich fahre dorthin, um genau diesen Menschen den Rücken zu stärken und zu zeigen: ‚Ihr seid nicht allein, wir stehen an eurer Seite!’“

Wahlkampf bedeutet dort möglicherweise auch, Menschen zu begegnen, die den Grünen nicht nur kritisch, sondern ausgesprochen feindselig gegenüberstehen. Rechnest du mit solchen Situationen – und macht dir das auch ein bisschen Angst?

​„Nein, Angst macht mir das nicht, aber ich habe den nötigen Respekt davor. Natürlich rechne ich mit solchen Situationen. Aber ich bin seit Jahren antifaschistisch auf der Straße aktiv, insofern sind mir herausfordernde Situationen nicht ganz unbekannt. ​Wenn man sich von so etwas einschüchtern lässt, überlässt man denjenigen das Feld, die den Diskurs vergiften wollen. Ich gehe da gefasst, wachsam und mit klarer Haltung rein.“

Du hast uns schon vor zwei Jahren erzählt, wie wichtig dir der Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus und für unsere Demokratie ist. Ist dieser Wahlkampfurlaub für dich eine Fortsetzung dieses Engagements – nur auf eine andere Art?

​„Ja, natürlich ist es eine Fortsetzung – aber für mich hört Engagement im Grunde nie auf. Der Einsatz gegen Rassismus, Antisemitismus und für unsere Demokratie ist keine Aufgabe, die man nach einem Projekt einfach abhakt oder im Kalender beendet. ​Ich engagiere mich grundsätzlich immer und kontinuierlich. Dieser Wahlkampfurlaub ist jetzt einfach die nächste konkrete Form, meine Haltung auf die Straße zu bringen und aktiv zu leben.“

Was glaubst du: Was kann eine einzelne Wahlkampfhelferin aus Schwalmtal an einem Wochenende in Sachsen-Anhalt überhaupt bewirken?

​„Was man als einzelne Person bewirken kann? Alleine verändert man sicherlich keine ganze Wahl. Aber darum geht es auch gar nicht: Es geht um die Entschlossenheit und die Stärke der Gruppe. Wenn viele Einzelne zusammenkommen, entsteht Präsenz, Sichtbarkeit und Entlastung für die Aktiven vor Ort. Es geht nicht um mich als Einzelperson, sondern darum, als Teil eines starken Teams Haltung zu zeigen.“

Und zum Schluss: Worauf freust du dich bei diesem Einsatz – und mit welchem Gefühl wirst du losfahren?

​„Ich freue mich natürlich sehr darauf, die Region näher kennenzulernen. Aber in erster Linie freue ich mich riesig darauf, neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu treffen und Teil eines starken, entschlossenen Teams zu sein. ​Ich fahre genau deshalb mit einem richtig guten und ruhigen Gewissen los: Weil ich weiß, dass ich das Richtige tue und meine Überzeugungen aktiv lebe.“

Liebe Tanja, wir finden deinen Einsatz einfach großartig. Hab eine gute Reise, pass auf dich auf und bring möglichst viele gute Begegnungen, Geschichten und Bilder mit nach Hause.  Nach deiner Rückkehr wollen wir natürlich wissen, wie dein Wahlkampfurlaub wirklich war – und werden hier davon berichten.

 

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Ein Kommentar

  1. Ganz viel Erfolg und eine schöne Zeit in Sachsen-Anhalt! Wir finden es wirklich stark, wie du dich einbringst und für eine bessere Zukunft kämpfst 🌱 Viele reden nur, du ziehst druch ♥️