Wir veröffentlichen hier eine Stellungnahme unseres Kreisverbandes, der wir uns vollumfänglich anschließen:
Wer von „Remigration“ spricht und sich bei Akteuren informiert, die für Massendeportationen werben, bewegt sich nicht im Feld einer normalen demokratischen Migrationspolitik. In einer Demokratie wird über Asylverfahren, Integration, Fachkräftezuwanderung, Rückführungsabkommen und rechtsstaatliche Verfahren gestritten. Die rechtsextreme Remigrationsideologie geht weit darüber hinaus. Sie stellt die Zugehörigkeit von Menschen grundsätzlich infrage und definiert den Wert eines Menschen über Herkunft und ethnisch-völkische Vorstellungen. Das widerspricht den Grundwerten unseres Grundgesetzes.
Am Ende geht es dabei nicht um politische Schlagworte. Es geht um Menschen. Um die Pflegekräfte, um Ärztinnen und Ärzte, die uns und unsere Kinder behandelnden. Um den Kollegen im Handwerksbetrieb. Um die Unternehmerin, die Arbeitsplätze schafft. Um die Familie, die seit Jahrzehnten nebenan wohnt. Um Mitschülerinnen, Vereinskameraden, Ehrenamtliche- um Freunde.
Wer ihre Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft von Herkunft, Abstammung oder einem völkischen Weltbild abhängig macht, greift nicht einzelne Menschen an. Er greift den Kern unseres Zusammenlebens an. Denn Demokratie bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer Würde und ihrer Rechte gleich sind – nicht aufgrund ihrer Herkunft.
Wer das Video mit Gregory Bovino, die Teilnahme am Remigrationsgipfel und die dort geknüpften Kontakte betrachtet, erkennt, dass es sich nicht um eine unglückliche Einzelentscheidung handelt. Vielmehr wird sichtbar, welche politischen Vorbilder und internationalen Netzwerke innerhalb der AfD zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das steht in deutlichem Widerspruch zu dem Bild einer angeblich bürgerlich-konservativen Partei, das ihre Vertreter vor Ort häufig zu vermitteln versuchen.
Diese Entwicklung wird längst nicht mehr nur politisch diskutiert. Das von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) beauftragte Rechtsgutachten kommt nach 13-monatiger Auswertung öffentlich zugänglicher Reden, Parlamentsprotokolle, Social-Media-Beiträge und weiterer Quellen zu dem Ergebnis, dass die AfD die Menschenwürde und das Demokratieprinzip missachtet und damit die freiheitlich-demokratische Grundordnung, den Kern unseres Grundgesetzes, beeinträchtigt. Acht Expertinnen und Experten aus den Bereichen Verfassungsrecht, Rechtsextremismusforschung, Recherche und Datenanalyse bewerten die Partei als verfassungswidrig agierend und halten ein Parteiverbotsverfahren für rechtlich aussichtsreich. Unabhängig davon, ob ein solches Verfahren politisch gewollt ist oder jemals eingeleitet wird, zeigt dieses Gutachten, dass die Sorge um die demokratische Entwicklung der AfD längst keine parteipolitische Debatte mehr ist, sondern von renommierten Fachleuten geteilt wird.
Gerade deshalb dürfen wir im Kreis Viersen keinen Teppich des Schweigens über diese Entwicklung legen. Kay Gottschalk ist kein weit entfernter Funktionär in Berlin. Er vertritt unsere Region im Deutschen Bundestag und sitzt gleichzeitig im Kreistag – wenn auch nur auf dem Papier, weil er kontinuierlich durch Abwesenheit glänzt. Sein politisches Handeln betrifft deshalb auch die Menschen vor Ort.
Rechtsextremismus beginnt nicht erst dort, wo Parolen gebrüllt oder demokratische Institutionen offen angegriffen werden. Er beginnt dort, wo menschenfeindliche Ideologien schrittweise normalisiert, verharmlost und in die Mitte der politischen Debatte verschoben werden.
Für uns ist klar: Menschenwürde, Rechtsstaat und Demokratie sind nicht verhandelbar. Wir Bürgerinnen und Bürger des Kreis Viersen dürfen nicht wegsehen, wenn ein gewählter Mandatsträger aus unserer Region an der Normalisierung rechtsextremer Konzepte mitwirkt. Es braucht keine Bühne für die AfD und keine Einladung zur Selbstinszenierung. Es braucht eine klare demokratische Einordnung.
Wenn ein Kreistagsmitglied Massendeportationen und völkische Ideologien salonfähig macht, ist Schweigen keine Neutralität. Schweigen wird dann Teil des Problems.
Auch die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter der AfD im Kreis Viersen können sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Wer unter dem Banner einer Partei kandidiert, die sich mit Akteuren internationaler rechtsextremer Netzwerke austauscht und deren Konzepte öffentlich aufgreift, trägt Verantwortung dafür, wie diese Partei vor Ort wahrgenommen wird. Wer dazu schweigt, nimmt diese Entwicklung zumindest billigend in Kauf.
Wir stellen uns dieser Entwicklung entschieden entgegen. Unser Kreis Viersen steht für Demokratie, Vielfalt, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Wer sich mit rechtsextremen Netzwerken vernetzt und autoritäre Konzepte in den demokratischen Diskurs trägt, überschreitet eine Grenze, die Demokratinnen und Demokraten klar benennen müssen.
Unterzeichnet für den Kreisvorstand:
Anja Degenhardt
Dr. Markus Thürmann
Manuel Britsch
Miriam Auner
Ute Straeten
Meral Thoms
Dr. Jens-Christian Winkler
Unterzeichnet für die Kreistagsfraktion:
Jürgen Heinen
Nicole Marquardt
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