BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Nelkenweg 2
41366 Schwalmtal
Tel. 02163-20 17 64
Fax 02163-20 17 65
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Die Schwalmtaler Grünen raten davon ab, sich beim Thema „Eiserner Rhein“ im Jahr 2012 neu aufzustellen. Der umstrittene Landtagsbeschluss hat keine neue Fakten zum Eisernen Rhein geschaffen. Man sollte ihn daher als das nehmen, was er ist: ein Stück Symbolpolitik. Es diente eher dazu, der FDP-Landtagsfraktion Türen zur rot-grünen Minderheitsregierung zu öffnen als dem Antwerpener Hafen neue Wege für den schienengebundenen Hinterlandverkehr zu schaffen. Der Beschluss war das, wovor die verkehrspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Bettina Herlitzius schon im Frühjahr gewarnt hat: ein regionaler Alleingang. Selbst Horst Becker, grüner Staatssekretär im Landesverkehrsministerium, glaubt nicht daran, dass dieser Landtagsbeschluss den Eisernen Rhein vorangetrieben hat. Schließlich hat er nichts an der Schludrigkeit des A52-Gutachtens von 2007 geändert, die Interessengegensätze zwischen Belgien und den Niederlanden nicht aufgelöst, die Finanzierung nicht geklärt und eine notwendige grenzüberschreitende Planung nicht vorangetrieben. Die angeblichen verkehrspolitischen Konflikte sollten nicht dazu genutzt werden, Lobbyisten-Positionen der Güterverkehrsbetreiber zu übernehmen. Stattdessen sollten wir Grüne weiter im Rahmen unseres europäischen „Green New Deals“ die wachstumsbasierten Güterverkehrsströme einer Plünder- und Plunderwirtschaft kritisch analysieren und im Rahmen der Energiewende Alternativen erarbeiten. Wir unterstützen in in diesem Zusammenhang den zweigleisigen Ausbau der Schienenstrecke zwischen Kaldenkirchen und Dülken und die Verlängerung der Regiobahnlinie S28 in westliche Richtung.

Seit Ende der 1990er beschäftigen sich die Schwalmtaler Grünen mit dem Dauerthema „Wiederbelebung des Eisernen Rheins“ der Güterverkehrsverbindung zwischen dem Antwerpener und dem Duisburger Hafen. Seit 2007 ist auf Grund eines schludrig gemachten Gutachtens auf deutscher Seite eine zweigleisige elektifizierte Trasse entlang der A52 – also durch Schwalmtal – im Gespräch. In den letzten Wochen wurde das Thema sogar Anlass zu einem grüninternen Streit. Aber es bleibt zweifelhaft, ob die neue Debatte überhaupt etwas bewegen wird. Lesen Sie mehr

Der Antwerpener Hafen wächst. Die quantitativen Prognosen für den Hinterlandverkehr steigen wieder. Daher hat der Bundesverkehrswegeplan die historische Trasse für den Eisernen Rhein erneut ins Spiel gebracht - offenbar mit nur geringen Erfolgschancen, denn selbst bei den Belgiern wachsen die Zweifel. Für den grünen Europaabgeordneten Michael Cramer und die verkehrspolitische Obfrau der Grünen im Bundestag Bettina Herlitzius Grund genug, sich wieder mit der A52 - Trasse durch Schwalmtal zu beschäftigen. Herlitzius lebt im Kreis Aachen und hat die hohe Auslastung der Montzen-Linie vor Augen. Der Schwalmtaler OV-Vorsitzende Manfred Böttcher erinnerte seine beiden Parteifreunde an die Devise "Erst prüfen, dann entscheiden." Demnächst sollen daher "vor Ort" die kritischen Punkte rund um die A52-Trasse betrachtet und besprochen werden. Lesen Sie mehr
Am Rande des Berliner Sonderparteitags zum Atomausstieg sprach der Schwalmtaler Grünen-Vorsitzende Manfred Böttcher am vergangenen Samstag mit Bettina Herlitzius, der verkehrspolitischen Obfrau der Grünen im Bundestag, über ihre jüngsten Aussagen zum Eisernen Rhein. Wie auch die heutige Pressemitteilung zeigt, gehen Bettina Herlitzius und der Europaabgeordnete Michael Cramer von anderen Verkehrsprognosen, Interesseanalysen und Auslastungsszenarien aus als die deutschen, belgischen und niederländischen Initiativen zum Eisernen Rhein oder der Europaabgeordnete Peter van Dalen. Ihre Basis ist offenbar eine
IVV-Potenzialanalyse vom 1. April 2011. Strittig ist zum Beispiel, welche Reservekapazitäten die Montzenroute – sie führt durch die Aachener Heimatregion von Bettina Herlitzius – in der Zukunft für den Antwerpener Hafen bereit halten kann. Sollte die derzeit unwahrscheinliche Reaktivierung der Güterbahnstrecke „Eiserner Rhein“ doch wieder ernsthaft diskutiert werden, besteht offenbar weiterer Gesprächsbedarf zwischen Berliner, Düsseldorfer, Brüsseler und Schwalmtaler Grünen. Denn im Ziel, den Güterverkehr zu reduzieren und ihn von der Straße auf die Schiene zu verlegen, sind sich alle einig. Was das jedoch konkret für den Hinterlandverkehr des Antwerpener Hafens bedeutet, dazu ist eine differenzierte grenzüberschreitende Gesamtschau nötig. Lesen Sie mehr.

Während
Belgien die Kosten für den Eisernen Rhein auf der historischen Trasse berechnen lässt,
freut sich die grüne Landtagsabgeordnete Ruth Seidl über den Eilbeschluss Eiserner Rhein, mit dem der NRW-Landtag sich auf die nicht nur in Schwalmtal ungeliebte A52-Trasse festgelegt hat. Ihre Kollegin Martina Maassen (MdL) ist sich sicher, dass der Güterverkehr Richtung Westen enorm zunehmen werde, der NRW-Beschluss keine Festlegung auf die A52-Trasse vorsehe und die Eile notwendig gewesen sei, um das wichtige Projekt Eiserner Rhein zu retten. Dass der CDU-MdL Dr.
Stefan Berger ihr den Antrag interpretieren muss und die Rheinische Post an ihre Wahlkampfaussagen erinnert, ist mittlerweile nicht nur für Martina Maassen peinlich. Ihrem eigenen Kreisvorstand wirft sie indirekt mangelnde Sachlichkeit und persönlich motivierte Angriffe vor. Derweil sind die Initiativen über die grüne Kehrtwende im Kreis Viersen entsetzt: sie sprechen von einer klaren Kampfansage an den Kreis Viersen und die Gemeinden im Westkreis. BürgerInnen reagieren auf Online-Foren oder in Leserbriefen.
Interne Interpretationsgespräche gab es am vergangenen Samstag zwischen dem Staatssekretär Horst Becker, dem verkehrspolitischen Sprecher der Landtagsfraktion Arndt Klocke, der verkehrspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion Bettina Herlitzius und dem Schwalmtaler OV-Vorsitzenden Manfred Böttcher. Dabei wurde deutlich, dass niemand ernsthaft mit einer Umsetzung des Eisernen Rheins rechnet . Der umstrittene Eilbeschluss hat offenbar mehr strategische Bedeutung als inhaltliche Relevanz. Weitere Klärungsgespräche zwischen dem grünen Kreisverband Viersen und der Landtagsfraktion sind vorgesehen. Sie helfen vielleicht bei der notwendigen Verbesserung der parteiinternen Kommunikation. Ob sie dem schienengebundenen Hinterlandverkehr für den Antwerpener Hafen oder der Aufwertung unserer Region dienen, bleibt unaufgeregt abzuwarten.
Lesen Sie mehr Auch die
Grenzland-Nachrichten berichten.

Er ist sehr ärgerlich, aber in seiner politischen Substanz vielleicht eher eine Inszenierung als eine ernsthafte Gefahr für Schwalmtal: der
Eilantrag 15/2895, den der Landtag am 28. September mit der Stimme der grünen MdL Martina Maassen verabschiedet hat. Mit dem Beschluss legt sich der nordrhein-westfälische Landtag auf die umstrittene A52/N 280-Trasse für den Eisernen Rhein fest, um vor allem der nordrhein-westfälischen Auto- und Chemieindustrie bessere Exportchancen zu ermöglichen. Eins ist sicher: damit hat die grüne Landtagsfraktion den jahrelangen Kampf des grünen Kreisverbandes und der Bürgerinitiativen um eine trassenunabhängige europaweite und an ökologischen Kritierien orientierte Diskussion des Antwerpener schienengebundenen Hinterlandverkehrs zunichte gemacht. Martina Maassen hat ihre Wahlkampfaussagen zum Eisernen Rhein über den Haufen geworfen.
Dass die grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius und der grüne Staatssekretär Horst Becker schon lange auf die A52-Trasse setzen, um die Region Aachen von Chemietransporten auf der Montzen-Route zu entlasten, war spätestens seit dem Frühsommer 2011 bekannt. Dieser Wunsch traf sich jetzt wohl gut mit Lobby-Interessen des FDP-Abgeordneten Christof Rasche, mit Profilierungswünschen des NRW-Verkehrsministeriums gegenüber dem Bundesverkehrsministerium und mit dem Versuch, ein Ampelbündnis für den NRW-Haushalt 2012 auf den Weg zu bringen. Warum Martina Maassen oder der Viersener Kreisverband nicht rechtzeitig auch die regionalen Interessen des Viersener Westkreises zur Geltung gebracht haben, ist noch zu überprüfen. Welche Rollen der angebliche Wegfall der Viersener Kurve im „Vössing-Gutachten“, das fehlende Zusammenspiel der zwei grünen Viersener Büros im Kreis Viersen oder der schiere Machterhalt der rot-grünen Minderheitsregierung spielten, ist auch noch unklar. Offenbar fühlten sich die „Bahnhofsgrünen“ nicht ausreichend vom Landtagsbüro an der Wilhelmstraße informiert und brechen jetzt öffentlich einen unnötigen
innergrünen Streit vom Zaun. Dieser Streit und der NRW-Eilbeschluss bringen weder eine schnelle Öffnung der engen West-Ost-Schienenkorridore noch dienen sie der nowendigen Reduzierung weltweiter Güterströme. Denn das von den NRW-Grünen und Martina Maassen prognostizierte Wachstum im Güterverkehr hat nichts mit der sonst geforderten ökologischen Kostenwahrheit oder dem Konzept der „kurzen Wege“ einer regionalistischen Basiswirtschaft zu tun. Gemeinsam mit „Groen-links“ auf niederländischer Seite oder der
Rheinischen Post raten die Schwalmtaler Grünen zur Ruhe in Sachen „Eiserner Rhein“, fordern aber auch gleichzeitig die kreisgrüne Spitze um Marianne Lipp, Angelika Verkaar und Martina Maassen auf, sich zukünftig auch innerparteilich wieder für die Interessen der Region einzusetzen.
Alternative Überlegungen, die den Westkreis nicht nur als Transitgebiet missbrauchen, liegen auf dem Tisch. Lesen Sie mehr zum Thema
Kreis Viersen (RP). Die Debatte im Verkehrsausschuss des Landtags in der vergangenen Woche wird den "Eisernen Rhein" nicht entrosten. Die Diskussion steckt in der Wiederholungsschleife. Was gut klingt, muss nicht logisch sein.
Es fehlte nicht an markigen Worten und flammenden Appellen in der mehr als zweistündigen Debatte des Verkehrsausschusses im NRW-Landtag zum "Eisernen Rhein" in der vergangenen Woche. FDP, Grüne und SPD übten am Ende den Schulterschluss gegen die als formalistisch gescholtenen Bedenkenträger der CDU und der Linken.
Aber ist zweifelhaft, ob die Debatte überhaupt etwas bewegen wird. Es gibt nämlich im Westen nichts Neues zum Dauerthema Güterverkehr auf der Schiene von Antwerpen an die Rheinhäfen.
Seltene Allianz
In seltener Allianz setzte sich nach der politischen Farbenlehre eine Ampel dafür ein, dass der Eiserne Rhein auf deutschem und niederländischem Gebiet zweigleisig als Neubaustrecke entlang der A52 gebaut wird. Einmal im Planungsrausch, optiert die Ampel für den Ausbau der Strecke ab Viersen/Mönchengladbach über Willich und Krefeld-Oppum nach Uerdingen und Duisburg Logport sowie Kaarst zum Hafen Neuss.
Dazu lieferte das Ingenieurbüro Vössing eine Steilvorlage, die Politikern stets mundet: Der elektrifizierte, zweigleisige Streckenneubau von Roermond bis Viersen werde 615 Millionen Euro kosten. Die Reaktivierung der historischen Strecke wird auf 530 Millionen Euro geschätzt – teilweise eingleisig und mit willkürlich gegriffenen Daten auf deutscher Seite. Da ist klar, für welche Lösung man sich begeistern lässt.
Was gut klingt, muss nicht logisch sein. Denn erstens hat keiner bisher die Niederländer oder die Belgier gefragt, ob sie mit so ehrgeizigen Ausbauplänen einverstanden sind. Zweitens weiß man, dass die Belgier nach dem Urteil des Schiedsgerichts in den Haag vor einigen Jahren zwar das verbriefte Recht dieser Schienenanbindung haben.
Aber es ist ein Korsett: Der Schiedsspruch gilt der historischen Trasse. Und drittens reichen die Ausbaupläne nur bis zur anderen Maasseite in die Niederlande hinein. Ob die Niederlande und Belgien überhaupt einen zweigleisigen Ausbau verfolgen, ist nie untersucht worden.
Die jetzt verfügbaren Trassenkorridore in unseren Nachbarländern sind nur eingleisig. In allen drei Ländern gibt es außerdem Bürgerinitiativen gegen Reaktivierung oder Ausbau. Wer erlebt hat, wie der Ausbau der A61/74 bei Venlo von unseren Nachbarn verzögert wurde, muss sich auf jahrzehntelange Auseinandersetzungen einstellen.
Viertens fehlt auf deutscher Seite jede realistische Einschätzung darüber, ob und wie ab Viersen/Mönchengladbach Neubauvorhaben geplant und umgesetzt werden sollen. Fünftens hat Belgien weiterhin keine Regierung. Der Behauptung, die Montzenlinie sei bereits jetzt überlastet, sollte mit Vorsicht begegnet werden. So kurios es für deutsche Ohren klingen mag. Aber Flamen wollen keine Frachten aus ihrem Hafen Antwerpen durch die Wallonie führen, zu der das Gebiet um Lüttich aber gehört.
Die Debatte im Verkehrsausschuss, so heißblütig und temperamentvoll sie streckenweise geführt worden sein mag, sollte nicht überwertet werden. Den Beschluss zum zweigleisigen Ausbau gibt es seit Dezember 2007. Er ist – wie vieles andere rund um den Eisernen Rhein – in jeder Hinsicht Stückwerk. Gerade auch im übertragenen Sinn.
Und es ist eine fatale Fehleinschätzung, wenn Neulinge auf diesem Gebiet in der Landespolitik glauben, sie hätten den gordischen Knoten durchgeschlagen, sobald der Bundesverkehrsminister seine vorgebliche Blockadepolitik aufgibt. Das Thema ist viel zu kompliziert und zu vielschichtig, als das man es so hemdsärmelig abhandeln könnte.
Quelle: Rheinische Post , Ausgabe Viersen v. 28.9.2011

Am Montag den 27. Juni wurde der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses des EU-Parlaments, Peter van Dalen MdEP in der Rheinischen Post zum Eisernen Rhein zitiert. Hierzu äußert sich Bettina Herlitzius MdB, Obfrau im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung:
"Wenn Herr van Dalen meint, dass die Montzenroute für die nächsten zwanzig Jahre die steigenden Gütertransporte des Antwerpener Hafens auffangen kann, zeigt dies seinen fehlenden Sachverstand.
Eine aktuelle empirische Studie der Ingenieurgruppe IVV zeigt, dass die Anschlusstrecken der Montzenroute auf deutscher Seite kurz vor ihrer Kapazitätsgrenze stehen. Die Strecke Aachen-Köln wird bereits 2015 und die Strecke Aachen-Mönchengladbach-Duisburg 2020 überlastet sein. Für keine dieser Strecken ist ein Ausbau vorgesehen. Zu glauben, dass der in den nächsten Jahren stark steigende Hinterlandverkehr des Hafens Antwerpen über diese Strecken abfließen kann ist mehr als naiv.
Ebenso unsinnig ist der Verweis auf die Betuwelinie und deren deutschen Anschluss über Emmerich und Oberhausen. Der Eiserne Rhein soll den Hafen Antwerpen anbinden. Die Betuwelinie hat aber keine direkte Anbindung an den Hafen Antwerpen, sondern dient dem Hinterlandverkehr des Rotterdamer und Amsterdamer Hafen.
Aber damit nicht genug; Herr van Dalen plädiert sogar dafür die internationalen Beratungen über den Eisernen Rhein auf mindestens zehn Jahre auszusetzen. Eine solche Haltung ist unverantwortlich! Im Gegenteil: Die Gespräche müssen jetzt noch viel intensiver geführt werden. Deutschland, Belgien und die Niederlanden müssen ergebnisoffen über den Eisernen Rhein beraten. Dabei müssen vor allem die Alternativtrassen zu der historischen Streckenführung überprüft werden.
Ich kann nicht verstehen, wie Herr van Dalen diese Meinung mit seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender des europäischen Verkehrsausschusses vereinbaren kann. Seine Vorschläge konterkarieren die offizielle EU-Politik zum Ausbau der europäischen Güterverkehrskorridore.
Herr van Dalen hat offensichtlich nur die Interessen des Hafens Rotterdam im Kopf."

Kreis Viersen (lp) Die Reaktivierung der Güterbahnstrecke „Eiserner Rhein“ wird immer unwahrscheinlicher. Eine Studie der Universität Leuven in Belgien kommt zu dem Ergebnis, dass sich die entstehenden Kosten auf Jahre hinaus nicht rentieren werden. Außerdem hat die Europäische Kommission Fördermittel für weitere Studien von 7,3 auf 4,5 Millionen Euro gesenkt - ein untrügliches Zeichen dafür, dass Brüssel auf längere Sicht keine Chance für die Strecke sieht.
Über die Studie aus Belgien berichtete der niederländische Europa-Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses Peter van Dalen während einer Tagung von Verkehrsexperten auf europäischer Ebene in Aachen. „Anfang Juli werden Belgien und die Niederlande ihre Gespräche zur Zukunft des Eisernen Rheins als Verbindungsweg für Güter zwischen Antwerpen und dem deutschen Rheinland wieder aufnehmen. Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse der in dieser Hinsicht unverdächtigen Universität Leuven wird deutlich, dass der Nutzen dieser Strecke auf Jahrzehnte weit hinter den Kosten zurückbleiben wird. Hinzu kommt eine sehr leistungsfähige Güterbahnstrecke südlich der niederländischen Grenze, die ausreichende Kapazitäten hat, die so genannte Montzenroute. Belgien sollte diese Strecke erst einmal im Süden der Niederlande auslasten, ehe eine neue Bahnlinie angepackt wird“, so van Dalen. Das Geld für Infrastruktur sei in Belgien und den Niederlanden stets knapp. Niederländische Europaparlamentarier beziffern den Streckenausbau auf mehr als 700 Millionen Euro - ohne die auf deutscher Seite entstehenden Kosten für den Ausbau der historischen Trasse.
Peter Van Dalen rät daher dazu, den Ausbau der historischen Strecke erst einmal auf die lange Bank zu schieben. Vor sechs Jahren stellte das internationale Schiedsgericht in Den Haag fest, Belgien haben das Recht darauf, die historische Trasse wieder zu aktivieren. Rein rechtlich kann das Königreich Belgien sogar das Projekt anpacken, muss allerdings 60 Prozent der Kosten selbst tragen. Die Niederlande haben die Gerichtsentscheidung akzeptiert. Doch Belgien will die Kostenverteilung neu verhandeln.
Van Dalen will die Beratungen auf mindestens zehn Jahre aussetzen. Beide Länder sollten auch unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Krise und der hohen Staatsverschuldung - dies gilt vor allem für Belgien - ihr Geld nicht in Projekte stecken, die nicht unbedingt verwirklicht werden müssten. Er glaubt, dass die Montzenroute erst 2030 vollständig ausgelastet sein wird, zumal die Betuwelinie bei Emmerich voraussichtlich dreigleisig ausgebaut werde.
Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
Rheinische Post Viersen |
Montag, den 27. Juni 2011 |
11 |

Beim "Grünen Donnerstag" im Februar 2008 unkte Manfred Böttcher noch herum, dass sich der "Eiserne Rhein" irgendwann mal in der Liste der gescheiterten Projekte neben dem Metrorapid, dem Schnellen Brüter oder der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf wieder finden könnte. Dass das Ende so schnell kommt wie jüngst vom Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer verkündet, hätte er aber nicht gedacht. Lesen Sie mehr Dass eines Tages chinesische Investoren die Debatte wieder neu aufrollen, halten die Schwalmtaler Grünen aber nicht für ausgeschlossen.
Kreis Viersen (lp) Auf den Vorwurf des CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Berger, die Grünen seien im Zusammenhang mit dem Eisernen Rhein „verkehrspolitische Geisterfahrer“, reagierte gestern die Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius aus Aachen. Sie ist Obfrau der Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestages.
CDU ignoriere Gutachten
Die CDU ignoriere wider besseren Wissens mögliche Alternativtrassen für den Eisernen Rhein, indem die Bundesregierung und Berger (CDU) die Reaktivierung der alten Trasse forderten. Dabei ignorieren sie laut Herlitzius ein zu schwarz-gelben Zeiten veröffentlichtes Gutachten des Landes. Danach koste die Reaktivierung der lediglich eingleisigen historischen Trasse 660 Mio. Euro. Der Anteil für den deutschen Bauabschnitt betrüge 310 Mio. Euro und nicht die von der Bundesregierung geschätzten 150 Mio. Euro für den zweigleisigen Ausbau. Für die Alternative parallel zur A 52 beziffere das Gutachten die Gesamtkosten auf 440 Mio. Euro, davon entfielen 335 Mio. Euro auf den deutschen Trassenabschnitt.Grundlage für eine Entscheidung über die Trasse kann laut Herlitzius nur eine gemeinsame grenzüberschreitende Planung sein. Gegen alle Vernunft verfolge die Bundesregierung mit der Reaktivierung der alten Trasse Pläne, die die Niederlande ablehnten. Um so absurder wirke es, dass Berger von einer „verkehrspolitischen Geisterfahrt“ spreche. Wenn einem alle anderen Fahrer entgegenkämen, sollte man sich fragen, ob man nicht selbst der Geisterfahrer sei. Die Bundesregierung sollte seriös und transparent die Alternativen für den Eisernen Rhein prüfen. Europaparlamentarierer Michael Cramer weist darauf hin, dass Projekte dann billig seien, wenn der politische Wille da sei. Europa benötige die Strecke.
| Publikation | Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
| Lokalausgabe | Rheinische Post Viersen |
| Erscheinungstag | Samstag, den 25. Juni 2011 |
| Seite | 19 |
Als „nicht besonders hilfreich“ empfindet es der Schwalmtaler Grünen-Vorsitzende Manfred Böttcher, wenn der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Berger die Wiederbelebung der historischen Trasse des Eisernen Rheins favorisiert, um von der Diskussion um eine A52-Trasse abzulenken. „Derartige Einzeläußerungen eignen sich nicht, den Zusammenhalt der deutschen, niederländischen und belgischen Eisernen Rhein-Initiativen aufrecht zu erhalten.“ Böttcher hatte bereits am vergangenen Mittwoch den grünen Europaabgeordneten Michael Cramer und die verkehrspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Bettina Herlitzius an den 2008 vereinbarten Grundsatz „Erst prüfen, dann festlegen“ erinnert. Einig sind sich alle drei, dass die historische Trasse ungeeignet ist, dem wachsenden Druck des Antwerpener Hafens auf die Transportkapazitäten des „Hinterlands“ gerecht zu werden. Herlitzius betont aus der Perspektive des Aachener Raums zudem, dass die die Montzen-Route ihre Auslastungsgrenze erreicht. Böttcher: „Es kommt darauf an, vorhandene und mögliche Eisenbahnlinien grenzüberschreitend auf Verträglichkeit und Leistungsfähigkeit zu überprüfen, um die Autobahnen und Landstraßen vom Güterverkehr zu entlasten..Oliver Wittkes Schnellschüsse als Landesverkehrsminister und Stefan Bergers Alleingänge nach dem St. Florians-Prinzip haben dabei bisher keine große Unterstützung geleistet. Dass eine Bahntrasse für den Güterverkehr an der A52 die geeignete Lösung ist, glauben die Schwalmtaler Grünen nicht.“ In einem Ortstermin mit Landes-, Bundes- und Europagrünen sollen demnächst die Argumente ausgetauscht und eine gemeinsame Güterverkehrsstrategie abgesprochen werden.
Kreis Viersen (lp) Als „verkehrspolitische Geisterfahrer“ bezeichnet der Schwalmtaler Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Berger Verkehrspolitiker der Grünen auf europäischer und auf Bundesebene, die den Ausbau der Bahnstrecke Eiserner Rhein an der A 52 bevorzugen. Bei einem Treffen von Verkehrspolitikern in Aachen hatten Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, und Bettina Herlitzius, Obfrau ihrer Fraktion im Verkehrsausschuss des Bundestages, die A52-Variante des Eisernen Rheins favorisiert. Berger ist das unverständlich. Ihr müsse ein Gutachten des Bundesverkehrsministeriums bekannt sein, das die Wirtschaftlichkeit der historischen Trasse höher einstuft als den Neubau an der A 52. „Ohnehin ist für die A 52- Variante nirgendwo Geld hinterlegt, noch ist eine politische, trinationale Einigung vorhanden. Die A 52-Variante steht damit außerhalb jeder vernünftigen Überlegung.“
| Publikation | Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
| Lokalausgabe | Rheinische Post Viersen |
| Erscheinungstag | Donnerstag, den 23. Juni 2011 |
| Seite | 19 |
von Ludger Peters
Kreis Viersen. In Belgien wachsen die Zweifel, dass die Eisenbahnstrecke „Eiserner Rhein“ zwischen Antwerpen und dem Rheinland jemals wieder aktiviert wird. Die Europaparlamentarierin Frieda Brepoels äußerte sich nach einer Tagung in der Euregio im Raum Aachen gegenüber dem belgischen Fernsehsender TV Limburg sehr skeptisch. Ihr liege ein Vermerk vor, nach dem weder Belgien noch die Niederlande weiteres Geld in zusätzliche Studien stecken werden, erklärte sie. Während der Tagung war von niederländischer Seite bekräftigt worden, dass es wenig Sinn mache, für die Strecke rund 700 Millionen Euro locker zu machen. Man sei auch nicht bereit, solche Summen für die Strecke überhaupt ins Auge zu fassen. Güterverkehr per Schiff
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Das Bundesverkehrsministerium will Pläne für die Bahnlinie zwischen Antwerpen und dem Rheinland in den nächsten zwanzig Jahren nicht mehr anpacken. Niederrheinische Abgeordnete fordern den Ausbau Venlo-Gladbach.
VON LUDGER PETERS
Kreis Viersen. Der Eiserne Rhein wird nicht mehr in Betrieb genommen. „Die Strecke ist auf zwanzig Jahre tot“, erklärte gestern der Viersener Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer nach Gesprächen im Ministerium. Güter aus Antwerpen sollen verstärkt über die Bahnstrecke Montzen/Aachen sowie die ausgebaute Betuwelinie ins Rheinland gebracht werden.
Vor fast zwanzig Jahren wurde die eingleisige und nicht elektrifizierte Strecke stillgelegt. Wenig später forderte Belgien die Reaktivierung. Dagegen wehrten sich die Niederlande und die niederrheinischen Städte, durch die die Strecke führt. Vor drei Jahren schlug der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke gar eine komplett neue Strecke an der A 52 entlang vor.
Kürzlich veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium eine Neubewertung von Infrastrukturvorhaben. Dem Eisernen Rhein wurde dabei eine hohe Wertigkeit eingeräumt. Dagegen wurde der dringend erforderliche und mit 50 Mio. Euro wesentlich preiswertere Ausbau der Bahnstrecke Venlo-Mönchengladbach aus dem Ausbauprogramm herausgenommen. Schummer und anderen niederrheinischen Abgeordneten gelang es, das Ministerium umzustimmen.
Wird die Bahnlinie Venlo-Mönchengladbach zwischen Kaldenkirchen und Dülken zweigleisig und in Mönchengladbach dreigleisig ausgebaut, kann sie wesentlich mehr Güter und vor allem Personenverkehr aufnehmen. Der Niederrhein strebt eine Intercity-Verbindung von Eindhoven über Venlo und Mönchengladbach nach Düsseldorf an. Von Venlo aus soll die S 28 (Regiobahn) über Viersen nach Düsseldorf geführt werden. Das niederländische Verkehrsministerium hat im Sommer zugesagt, es werde sich an den Ausbaukosten auf deutscher Seite beteiligen.
Aus dem Rennen wäre dann endlich auch die „Viersener Kurve“. Güterverkehre in Duisburg und Venlo stehen nicht in Konkurrenz. In beiden Logistikzentren agieren zum Teil dieselben Unternehmen. Duisburg soll den Osten Deutschlands und Europas versorgen, Venlo Süddeutschland und Italien. Eine Verbindung über die „Viersener Kurve“ wäre nicht erforderlich. Damit wäre Krefeld von Güterverkehr aus dieser Richtung befreit.
Nach Schummers Angaben müssen die geforderten Neubauabschnitte Lärmschutz erhalten. Außerdem hätte die Jobmaschine Venlo, die in den nächsten Jahren 10 000 neue Arbeitsplätze schafft, eine bessere Anbindung - gerade auch für deutsche Arbeitnehmer.
Publikation Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Lokalausgabe Rheinische Post Viersen Erscheinungstag Freitag, den 07. Januar 2011 Seite 13
Mit der Modernisierung der Montzen-Route von Antwerpen nach Aachen und der Fertigstellung der Betuwe Lijn sowie der Mittelbindung an Stuttgart 21 scheint der „Eiserne Rhein“ verkehrspolitisch in den Hintergrund gerückt zu sein. Die EU-Kommission hat jetzt Fördergelder in Höhe von 4,5 Millionen € zur Reaktivierung der Eisenbahnstrecke "Eiserner Rhein" von Antwerpen nach Duisburg gestrichen. Das Geld war schon seit längerem bereitgestellt worden, wurde aber bisher von den Projektbetreibern nicht abgerufen. Die EU-Kommission gab zur Begründung des bisher einmaligen Vorgehens an, die Projektträger rechneten selbst nicht mit einer Verwirklichung der Reaktivierung der Güterbahn zwischen den Häfen von Antwerpen und Duisburg vor 2020. Noch nie zuvor hat die Kommission freigemachte Gelder für ein Projekt zurückgezogen. Dennoch bleibt der Ausbau des „Eisernen Rheins“auch im „Fokus“ der neuen Landesregierung. Dies unterstrich NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger in einem Interview mit der „Verkehrsrundschau". Lesen Sie mehr
Kreis Viersen (lp) Der Ausbau des „Eisernen Rheins“, der Schienenstrecke von Antwerpen ins westliche Ruhrgebiet, bleibt auch im „Fokus“ der neuen Landesregierung. Dies unterstrich NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger in einem Interview mit der
„Verkehrsrundschau“. Die Schieneninfrastruktur müsse angesichts stark wachsenden Containeraufkommens im Hafen Antwerpen verbessert werden. Das gehe nur mit einer zweigleisigen und elektrifizierten Strecke. Auch die jetzige Landesregierung bevorzuge den zweigleisigen und elektrifizierten Ausbau entlang der A 52 - vorbei an Niederkrüchten und Schwalmtal nach Viersen/Mönchengladbach. Die alte, heute eingleisige und nicht elektrifizierte Strecke, führt von Roermond über Wegberg nach Mönchengladbach.
Beide Varianten wurden in der kürzlich erfolgten Überprüfung der Bedarfspläne des Bundes als wirtschaftlich eingestuft. Allerdings räumt der Bundesverkehrsminister der historischen Strecke eine deutliche Präferenz ein. Voigtsberger wies darauf hin, dass in jedem Falle vorher Verträge mit den Niederlanden und Belgien geschlossen werden müssten. Die erforderlichen Abstimmungsgespräche werde die Landesregierung mit dem Ziel einer schnellen Umsetzung begleiten.
Die Niederlande wehren sich gegen die Reaktivierung der historischen Strecke, da sie durch den Nationalpark „De Meinweg“ und durch Roermond führt. Auch in Teilen Belgiens regt sich Widerstand. Voigtsberger wies im Zusammenhang mit dem Ausbau der Betuwelinie in Deutschland darauf hin, es sei wichtig, zum Schutz der Bürgermöglichst bereits während der Ausbauphase Lärmschutzmaßnahmen zu realisieren. Auch die Beseitigung von Bahnübergängen sei zwingend notwendig.
Publikation | Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
Lokalausgabe | Rheinische Post Viersen |
Erscheinungstag | Samstag, den 04. Dezember 2010 |
Seite | 9 |

Kreis Viersen (lp) Die Europäische Kommission hat Fördergelder in Höhe von 4,5 Millionen Euro zum Bau der Eisenbahnstrecke „Eiserner Rhein“ von Antwerpen nach Mönchengladbach gestrichen. Das Geld war bereitgestellt worden, wurde aber bisher nicht abgerufen. Zur Begründung gab ein Beamter der EU-Kommission an, die Projektträger rechneten selbst nicht mit einer Verwirklichung vor 2020. Zum ersten Mal hat die EU-Kommission damit überhaupt Gelder aus einem Förderprogramm gestrichen. Das Paket der Kürzungen und Streichungen, das EU-Kommissar Slim Kalias gestern bekanntgab, umfasst in der Summe 311,5 Millionen Euro. Es handelt sich um das Förderprogramm für Verkehrsinfrastruktur TEN-V-2007-2013. Für fünf Projekte kam jetzt das komplette Ende der Förderung. Im Falle des Eisernen Rheins wurde das Geld wegen der Verzögerungen herausgenommen. Damit haben die Hoffnungen in Belgien, die zu Beginn der 1990er-Jahre aufgegebene Strecke zu reaktivieren, erneut einen Dämpfer erhalten. Der wallonische Ministerpräsident Rudy Demotte hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, die Wallonie werde ihren seit Jahren hartnäckigen Widerstand gegen die von den Flamen geforderte Strecke aufgeben. Die Wallonen lenkten in dem innenpolitischen Streit ein, nachdem die Montzenroute von Antwerpen über Lüttich nach Aachen modernisiert worden war. Auf der Verbindung sind zahlreiche Güterzüge unterwegs. Die EU strich gestern übrigens auch neun Millionen Euro für die Bahnstrecke Aachen-Warschau auf dem Abschnitt Aachen-West bis Oberhausen.
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.252
Datum: Donnerstag, den 28. Oktober 2010
Seite: Nr.17

Roermond (lp) Mit Genugtuung hat der Verbund von Kommunen in Mittellimburg, der sich gegen die Reaktivierung der Bahnstrecke „Eiserner Rhein“ von Antwerpen nach Duisburg wehrt, auf die kürzlich veröffentlichte Kosten-Nutzen-Analyse reagiert. Belgien und die Niederlande hatten unabhängige Experten damit beauftragt.
Alle bisher diskutierten Alternativen der Strecke seien unverhältnismäßig teuer, stellt der Vorsitzende des Kommunalen Verbundes, Roermonds Beigeordneter Gerard IJff, fest. Ob nun die alte Strecke wieder geöffnet werde, an der A52 eine neue Strecke gebaut, ob Diesel- oder Elektrobetrieb gefahren werde - die Kosten lägen bei 600 bis 750 Millionen Euro. „Bezahlen müssen das die Steuerzahler in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Dazu kommen aber 350 bis 500 Millionen Euro für die Gesellschaft. Das betrifft beispielsweise die Einbußen durch Wertminderungen von Immobilien oder auch die Beeinträchtigung von Naturgebieten und Tourismuswirtschaft entlang der Strecke“, erklärt IJff.
Bestätigt fühlen sich die Gegner auch in ihrer Einschätzung, dass der wirtschaftliche Wert der Strecke bisher nur herbeigeredet werden sollte. Die Gutachter haben errechnet, dass der Gewinn selbst dann unter den Aufwendungen bleibt, wenn mehr Güter zwischen Antwerpen und den Rheinhäfen Neuss, Krefeld und Duisburg transportiert werden, als idealerweise errechnet worden war.
Gerard IJff rät dazu, jetzt eine Pause von mindestens zehn Jahren einzulegen, ehe man sich mit der Strecke wieder beschäftigt. Eile bestehe nun wirklich nicht, zumal die experten auch frühere Entwicklungsprognosen für den Frachtverkehr deutlich nach unten korrigiert haben. Zu einem späteren Zeitpunkt könne man dann in aller Ruhe und frei von Emotionen über eine Frachtverbindung zwischen Antwerpen und den Rheinhäfen beraten. Die sei notwendig, aber nicht so, wie jetzt geplant.
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH ,Publikation: Rheinische Post Viersen, Ausgabe: Nr.158 ,Datum: Samstag, den 11. Juli 2009, Seite: Nr.14
KreisViersen (lp) „Vernichtend“ ist nach Auffassung von Beobachtern die von niederländischen und belgischen Experten erarbeitete Kosten-Nutzen-Analyse zum „Eisernen Rhein“. Die niederländischen Grünen forderten in einer ersten Stellungnahme Verkehrsminister Camiel Eurlings auf, „den Stecker auf diesem chancenlosen Projekt endlich herauszuziehen“. Die Bahnstrecke werden nur 0,01 Lkw-Kilometer ersetzen. Da sie nicht elektrifiziert werde, sei sie auch noch ökologisch bedenklich, weil den Zügen Diesel-Lokomotiven vorgespannt werden müssten.
Die belgische Tageszeitung „de Standaard“ stellt konsterniert fest, dass der Eiserne Rhein auf der alten oder eine alternativen Strecke ein weiterer Baustein zur Erderwärmung werde. Die vorhandene Montzenroute sei elektrifiziert, ausgerechnet davon werde das projekt Neubau oder Reaktivierung der alten Trasse Frachten abziehen. Belgiens Minister Steven Vanackere räumte das ein. Er sei aber überzeugt, dass der Eiserne Rhein nur die richtigen Rahmenbedingungen haben müsse. Dann müsse man die richtige Kombination von Timing und Elektrifizierung finden und flankierende Schritte entwickeln.
Kosten und Prognosen
Das triebe die Kosten weiter in die Höhe. Die Experten erwarten, dass die Reaktivierung der alten Trasse 590 bis 750 Millionen Euro kostet. Die Gutachter von Transport & Mobility Leuven (Belgien) und TNO (Niederlande) errechneten, dass die Gesellschaft durch 335 bis 530 Millionen Euro zusätzlich belastet wird. Dabei reichten die Transportkapazitäten auf vorhandenen Schienenwegen mindestens bis 2020 aus. Es bleibe abzuwarten, so ergänzten Wirtschaftspolitiker aus verschiedenen Parteien, ob die jetzt schon nicht mehr zutreffenden Prognosen zur Güterverkehrsentwicklung durch die Wirtschaftskrise endgültig Makulatur werden. Die niederländischen Grünen plädieren dafür, es erneut auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen. Man hoffe allerdings, dass Belgiens Regierung es erst gar nicht darauf ankommen lasse.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Berger erklärte gestern dazu: „Von Anfang an sind bei diesem Verkehrsprojekt viele Fragen wie beispielsweise zur internationalen Einigung zwischen den Niederlanden, Belgien und der Bundesrepublik, zu den Kosten des Vorhabens, zum Lärmschutz und zum möglichen regionalen Mehrwert offen geblieben. Spätestens nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen sollten alle Beteiligten ihre unterschiedlichen Standpunkte zum Eisernen Rhein grundlegend überdenken.“
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.155 Datum: Mittwoch, den 08. Juli 2009 Seite: Nr.19
KreisViersen Die Kosten für die Reaktivierung des Eisernen Rheins sind höher aus der wirtschaftliche Nutzen der Bahnstrecke zwischen Antwerpen und dem Ruhrgebiet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Experten aus Belgien und den Niederlanden. Kommentieren wollte Verkehrsminister Camiel Eurlings die Nachricht nicht. Er wolle das Gutachten zunächst mit seinem belgischen Amtskollegen diskutieren, hieß es am Wochenende in Den Haag.
Die Expertenkommission hat errechnet, dass die reaktivierte Bahnstrecke in erster Linie Güterverkehr von der Montzen-Route (über Aachen) abzieht. Das sei umso unsinniger, als diese Strecke nach Prognosen zur Entwicklung des Güterverkehrs bis 2020 noch erhebliche freie Kapazitäten hat.
Belgien bleibt beharrlich
Seit 1998 fordert Belgien offiziell von den Niederlanden und Deutschland, die 1991 stillgelegte Strecke über Roermond/Dalheim wieder zu öffnen. 2002 rief Belgien das Internationale Schiedsgericht (Permanente Hof van Arbitrage) in Den Haag an. Dort bestätigte man zwar das grundsätzliche Recht Belgiens, über die historische Strecke Güter transportieren zu dürfen. Allerdings zog der Hof van Arbitrage es 2006 vor, eine Kommission unabhängiger Experten (COD) mit weiteren Untersuchungen zu betrauen.
Daraufhin wurden die bis dahin zurate gezogenen Frachtentwicklungs-Prognosen aktualisiert. Gleichzeitig begann COD mit Untersuchungen zu einer grenzüberschreitenden Kosten-Nutzen-Analyse. Darin wurden finanzwirtschaftliche Wirkungen, Umweltaspekte, Mobilität und Sicherheit eingezogen.
Keine Variante macht Sinn
Nach der jetzt vorgelegten Studie sind die Kosten aller untersuchten Trassen und ihrer Varianten ausnahmslos höher als der damit verbundene Nutzen für die Allgemeinheit. Die Schere gehe noch weiter auseinander, weil die Montzenroute nicht ausgelastet sein, sagen die Experten. Der Nutzeffekt lasse sich nicht einmal dadurch verbessern, wenn die Strecke elektrifiziert werde und umweltschonende Maßnahmen ergriffen werden.
Der belgische Minister Steven Vanackere hält nach Berichten belgischer Medien dennoch daran fest, dass auf die Reaktivierung des Eisernen Rheins nicht verzichtet werden könne. Sie sei lebensnotwendig für die weitere Entwicklung des Güterverkehrs vom und zum Hafen Antwerpen. Man werde auch weiterhin mit den Niederlanden über die Aufteilung der Kosten verhandeln. Ziel bleibe es, im Jahr 2018 die historische Strecke wieder zu öffnen.
- /LUDGER PETERS
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.154 Datum: Dienstag, den 07. Juli 2009 Seite: Nr.15

"Eiserner Rhein" ist die Bezeichnung einer vor 130 Jahren in Betrieb genommenen Eisenbahnverbindung vom Antwerpener zum Duisburger Hafen. Die Strecke ist 160 km lang. Der historische Hintergrund des Eisernen Rheins ist die belgische Unabhängigkeit. Im Rahmen der Verhandlungen ist den Belgiern 1839 das Recht einer Landverbindung nach Preußen durch die niederländische Provinz Limburg zugesichert worden. Dass dieses Recht auch heute noch gilt, hat das Internationale Schiedsgericht in Den Haag im Mai 2005 bestätigt.
Transeuropäisches Verkehrsnetz
Ein Teil der Strecke wird heute für den Personen- und Güterverkehr genutzt. Seit rund 10 Jahren wird angesichts der steigenden Güterverkehrsströme über eine Reaktivierung des gesamten Eisernen Rheins diskutiert. Die Europäische Kommission hat den Eisernen Rhein im Rahmen der transeuropäischen Güterverkehrsplanung als Bestandteil der Verbindung Lyon/Genua-Basel-Duisburg- Rotterdam/Antwerpen eingestuft. Aber die Strecke ist nicht ohne erhebliche Folgeschäden reaktivierbar. Der kritischste Abschnitt liegt im grenzüberschreitenden Bereich besonders zwischen Roermond, Dahlheim.und Wegberg. Die Strecke ist teilweise zugewachsen; Das Wohngebiet Grüner Winkel in Wegberg ist direkt an der alten Strecke entstanden. Das in diesem Abschnitt im Deutsch-Niederländischen Grenzgebiet liegende Naturschutzgebiet De Meinweg hat mittlerweile europäischen Rang. Es gab und gibt noch einen gut organisierten Widerstand der Anwohner und Naturschützer in diesem Gebiet.
NRW-Landtagsbeschluss
Daher hat der Landtag auf Initiative des damaligen Verkehrsministers Oliver Wittke im Dezember 2007 beschlossen, intensiver zu prüfen, ob auf deutscher Seite eine Trasse parallel zu A52 realisierbar ist. Basis für diese Landtagsentscheidung war eine Powerpoint-Präsentation mit der Zusammenfassung einer von Wittke in Auftrag gegebenen Studie (IVV Aachen). Sie wurde erst einige Wochen nach dem Landtagsbeschluss veröffentlicht und war ziemlich schludrig gemacht. Im Trassenverlauf fehlten Wege und Häuser und zwei Mülldeponien, die Kostenberechnungen bei den Trassenvergleichen waren nicht nachvollziehbar. Es schien, dass es sich um ein Gefälligkeitsgutachten für die A 52-Variante handelte. So verwundert es nicht, dass der Verkehrsminister und die Vertreter der Wirtschaft den interpretationsoffene Landtagsbeschluss gerne als nahezu einstimmiges Landtagsvotum für die A52-Variante verkaufen. Und es scheint daher in Den Haag, Brüssel und Berlin folgendes angekommen zu sein: NRW will die A52-Trasse und selbst die Grünen haben dafür gestimmt. Dass es die Grünen waren, die scharfe Prüfungskriterien und Lärmschutzauflagen in einer anstrengenden Nachtsitzung in den Beschluss hinein verhandelt haben, ändert leider nichts an dem angeblichen Grundsatzbeschluss für die A52-Trasse.
Grüne Position
Die Grünen im Kreis Viersen kritisieren gemeinsam mit den Anwohnern, Naturschützern und teilweise mit den betroffenen Kommunen Niederkrüchten, Schwalmtal, Viersen, Mönchengladbach, Willich und Krefeld diesen Beschluss. Unsere Argumente beziehen sich auf die Zerstörung von Naturschutzgebieten im Naturpark Maas-Schwalm-Nette, auf die hohe Lärmbelastung durch 70 – 100 Güterzüge zusätzlich zur Autobahn oder zusätzlich zu den bisher schon viel zu lauten Zügen aus Rotterdam. In Mönchengladbach-Hardt muss ein Industriegebiet umgesiedelt werden, in Schwalmtal-Ungerath ein großer landwirtschaftlicher Betrieb. Eine Befürchtung hat sich lange gehalten wurde aber mittlerweile dementiert: nämlich, dass im Rahmen des Eisenbahnanschlusses das riesige Fluggelände der Royal-Airforce in Elmpt wieder in Betrieb genommen wird. Der Betrieb hat die Anwohner fast 50 Jahre lang genervt: von 1957 – 2001 starteten und landeten Jagdbomber mit einem Höllenlärm. Es gab immer Gerüchte, aber erst nach der Schließung haben wir definitiv erfahren, dass Atomsprengköpfe (WE 177 C) mit der achtfachen Sprengkraft der Hiroshima –Bombe in dem Gelände lagerten und 1984 bei einem Unfall ein Atomsprengkopf beschädigt wurde. Viele lebten zudem noch in der Einflugschneise des Flugplatzes Wildenrath.
Daher ist die Befürchtung groß, dass wir beim Eisernen Rhein wieder unberechenbaren Belastungen und Risiken ausgesetzt werden, ohne genaueres zu wissen. Immer wieder heißt es, wir werden es hauptsächlich mit hochriskanten Chemie-Transporten zu tun bekommen, weil Antwerpen als Chemie-Hafen gilt. Wir werden nicht überzeugt, sondern überrumpelt. Offenbar denken manche Planer, dass die Menschen, die Jahrzehnte mit den Lärm von Harrier, Phantom-Jägern und Tornado-Jagdbombern ausgehalten und friedlich neben Atomsprengköpfen gelebt haben, 70 – 100 riskante Güterzüge pro Nacht locker verkraften.
Grund genug für das Überrumpelungsgefühl gab es genügend. Oliver Wittke z.B. sprach bei einem Ortstermin in Hardt von über 30 Gutachten, die für die Strecke plädieren und die man als Bürger gern nachlesen könnte. Zu sehen bekamen wir bis heute nur die eine Schluderstudie aus Aachen. Der Rest fällt – so die Presseabteilung des Landesverkehrsministeriums - leider unter Urheberrechtsschutz. Am 25 Juni hat Bundesverkehrsminister Tiefensee im Rahmen eines SPD-Verkehrforums in Krefeld bestätigt, dass die angeblichen Vorteile der A52-Trasse mit handfesten aktuellen Studien belegt werden können. Aber auch die liegen niemandem vor. Offenbar ist der Eiserne Rhein eine mit Steuermitteln intensiv untersuchte Strecke, aber die Betroffenen selbst dürfen nicht erfahren, was mit Ihren Geldern produziert wurde.
Neue Entwicklungen?
Auch wenn wir nichts Genaues wissen, sieht es nach dem jetzigen Stand so aus, als solle der Eiserne Rhein zweigleisig und elektrifiziert ausgebaut werden. Da dann die bei der Wiederbelebung der alten Trasse erforderliche Untertunnelung ziemlich teuer werden würde und offenbar andere Alternativen keine Rolle mehr spielen, läuft auf deutscher Seite alles auf die A52-Trasse hinaus. Lärmschutz wird vor allem am Gerät und an der Schiene versprochen, ob es gehalten werden kann, ist offen, denn ein Wagon hält in der Regel länger als ein Menschenleben. Hier setzen Bundesregierung und Europäische Kommission offenbar auf ein Nutzungsentgelt, das von der Ausstattung der Züge abhängig ist. Die Kosten für die A52-Trasse werden wohl derzeit auf niedrige 660 Millionen Euro geschätzt, die als Europäisches Projekt über eine Eiserne Rhein AG finanziert werden sollen. Aus Bahnkreisen und von Horst Becker hörte man dass 900 Millionen wohl realistischer seien. Man munkelt, dass als ein Investor auch Dubai Ports mit der Tochter Hintermodal daran beteiligt ist, die zudem auf dem Gelände des Flughafen Elmpt eine lukrative Container-Prüfanlage vor allem für den Flugtransport einrichten möchten. Auch von einer Container-Entgasungsanlage ist die Rede. Welche neuen „Luftrisiken“ rund um Niederkrüchten daraus entstehen könnten bleibt unbekannt. Deutschland und Niederlande seien sich finanziell einig – so Tiefensee – lediglich bei den Belgiern hake es wohl noch.Entlang der Strecke gibt es mindestens 17 Bürgerinitiativen, die teilweise seit über 10 Jahren aktiv sind und sich gut vernetzt haben. Ihre Mitglieder haben mittlerweile anerkannten Expertenstatus und setzen sich für eine strategische Umweltprüfung der gesamten Strecke, für Lärmschutz, für belastbare Gutachten und möglichst für eine Umgehung des Krefelder Knotens ein. Meiner persönlichen Einschätzung nach sind dies Forderungen, die bei der weiteren Planung durchaus positiv aufgenommen werden könnten.
Glaubensbekenntnisse mit Elvis-Presley-Effekt?
Aus meiner Sicht sollte man als Grüne in der Argumentation etwas weiter gehen und den beiden Glaubensbekenntnissen mit Skepsis begegnen, die im Zusammenhang mit dem Eisernen Rhein auch von grüner Seite vertreten werden:
1. Globalisierung sei ein stetiger und unaufhaltsamer Prozess.
2. das Transportaufkommen im Güterverkehr wachse daher kontinuierlich um ca. 10% pro Jahr, verdoppele sich also alle 7-8 Jahre.
Nötig seien deshalb neue Schienen- und Straßentrassen. Beim Eisernen Rhein war in der Debatte immer wieder folgende Zahl des Antwerpener Hafens beliebt: 16,5 Millionen Tonnen Containerumschlag im Jahre 1990; 74,5 Millionen Tonnen im Jahre 2005. Suggeriert wurde dringendster Handlungsbedarf, weil der Verkehrskollaps unmittelbar bevorstehe. Schienentransport sei natürlich angesichts des Klimaproblems ökologisch besser als Straßentransport, und wenn für Lärmschutz gesorgt werde, müsse die Bevölkerung im Kreis Viersen, in Mönchengladbach und in Krefeld die Nebenwirkungen erdulden.So immer noch die Argumentationslinie der Wirtschaftslobby. Ich befürchte, auch diese Prognose unterliegt dem Elvis-Presley-Effekt: Als Elvis 1977 starb, gab es ca. 38 Elvis-Imitatoren; 2006 registrierten die Künstleragenturen weltweit ca. 47.000 Imitatoren. Also werden wir im Jahre 2030 2 Milliarden Elvis-Presley-Imitatoren haben.
Im TEN-Grünbuch ist die Europäische Kommission auch schon wesentlich bescheidener: sie geht von einem Anstieg des Güterverkehrs von 34% in 15 Jahren aus und weist auf etliche Unsicherheitsfaktoren bisheriger Prognosen hin. Leider ist auch das vom niederländischen und belgischen Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten einer unabhängigen Expertenkommission nicht zugänglich. Laut Presse kommt dieses Gutachten zu dem Schluss. Das Projekt „Eiserner Rhein“ sei derzeit überhaupt nicht notwendig, es würde die Montzenlinie unrentabel machen und hätte aufgrund der fehlenden Elektrifizierung eine ungünstige Ökobilanz.
Könnte es daher sein, dass der drohende Verkehrskollaps und der Klimaschutz nur Vorwände sind, um klimaschädliche Profitinteressen zu vertuschen? Ich finde, wir sollten uns noch mehr Gedanken darüber machen, wie Wirtschaftswachstum vom Transportwachstum entkoppelt werden kann. Bei der Diskussion um Energieeffizienz sind wir da schon etwas weiter
Fazit: Als Grünen-Sprecher im Kreis Viersen kann ich nicht an die Öffentlichkeit gehen und sagen das und das sind gute Gründe für den Eisernen Rhein, weil ich nicht so recht an sie glaube.
Wenn der Güterverkehr insgesamt mehr als doppelt so schnell wächst wie die Realwirtschaft, gibt es offenbar auch viel zu viele unsinnige Transporte, die auf Lohngefälle zurückzuführen sind: Husumer Krabben, die in Marokko gepuhlt werden, Schweizer Sahne in belgischen Spraydosen oder der berühmte schwäbische Erdbeerjoghurt, für den polnische Erdbeeren in Aachen verarbeitet werden, dessen Becher in Bayern mit Etiketten aus niedersächsischem Papier versehen werden und dessen Aluminiumdeckel 800 km Reise nach Stuttgart hinter sich haben.Wer die Studien zu Hafenhinterlandanbindung liest, findet so gut wie keine Argumente zur optimalen Versorgung der Bevölkerung mit Waren, aber enorm viel zu den Wachstumschancen im profitablen globalisierten Logistik-Markt. Und wenn ich lese, dass einige Reeder die derzeitige Krise nutzen, um auf Tankern auf hoher See aus Spekulationsgründen mehr Rohöl als jemals in den vergangenen 20 Jahren zwischenzulagern, kann ich mich nur noch Joschka Fischer anschließen und sagen: „Sorry, I am not convinced“.
Manfred Böttcher, Sprecher des grünen Kreisverbands Viersen und des Ortsverbands Schwalmtal am 26. Juni bei der Tagung der grünen Fraktion im Düsseldorfer Regionalrat zum Thema „Grenzenloses Wachstum für den Güterverkehr?“

Zum Jahrestag des Landtagsbeschlusses „Die Herausforderung wachsender Güterverkehre annehmen: Den Eisernen Rhein zügig realisieren" fordern die Grünen im Kreis Viersen den Landesverkehrsminister Oliver Wittke auf, sich endlich an die Arbeit zu machen und ein vernünftiges Gesamtkonzept für den schienengebundenen West-Ost Güterverkehr aus NRW-Sicht vorzulegen.
„Auch wenn angesichts der weltweiten Rezession der Gütertransport derzeit zurückgeht, brauchen wir eine zukunftsfähige Planung für den Hafen-interlandverkehr mit einer sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kosten- und Nutzenanalyse," erklärt der Kreisvorsitzende Manfred Böttcher.
Jan Luining, grüner Verkehrspolitiker im Kreisverband unterstreicht die rechtliche Dimension: „Der Eiserne Rhein ist Teil einer vom europäischen Parlament beschlossenen Transeuropäischen Güterverkehrsstrecke. Deutschland und NRW müssen liefern. Und das bedeutet sämtliche Vorschriften der Umweltverträglichkeitsprüfung einzuhalten."
Im vergangenen Jahr erzeugte Wittke einen enormen Zeitdruck hinsichtlich der A52-Trasse für den Eisernen Rhein. Der Landtag unterstützte ihn in dem Vorhaben, die Trasse genauer zu untersuchen, und neue Finanzierungsmodelle zu prüfen. Die Untersuchungen sollten mit Beteiligung der Kommunen zügig fortgeführt werden - unter Berücksichtung der Belange der Anwohner und des Naturschutzes. Oberste Priorität sollte der Lärmschutz haben. Kreisvorsitzende Marianne Lipp: „Bis heute liegt nicht einmal eine seriöse Kostenanalyse vor. Da wundert es nicht, dass die Finanzierungsgespräche zur A52-Trasse zwischen NRW, Belgien und Niederlande gescheitert sind."
Die drei Grünen sind sich einig: Ein rechtsstaatliches und Vertrauen schaffendes Verfahren sieht anders aus. Offenbar wolle Wittke den Güterverkehr überhaupt nicht von der Straße auf die Schiene holen. Horst Becker, der grüne verkehrspolitische Sprecher im NRW-Landtag, hatte jüngst mit einer
Anfrage, das Planungsdebakel zum Eisernen Rhein offengelegt. Luining:
„Wäre Horst Becker Verkehrsminister, hätten wir sicher schon sachlich begründete Konzepte zu einem schienengebundenen Güterverkehr in der
Region, die Venlo mit anbinden, den Lärm minimieren und den
grenzüberschreitenden Personenverkehr verbessern.
Lipp und Böttcher teilen die Einschätzung, die der CDU-Landtagsabgeordenete Stefan Berger und der Schwalmtaler CDU-Bürgermeister über die Arbeit ihres
Parteifreundes Wittke verbreiten: „vollkommen unsausgegorenes Heckmeck".
Die EU-Kommission verlangt eine grenzüberschreitende Prüfung der Folgen des Eisernen Rheins für die Umwelt. Dies ergibt sich aus den Antworten auf eine Anfrage der Grünen im Parlament. VON LUDGER PETERS
Ohne eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung von Antwerpen bis Duisburg wird es den Eisernen Rhein nicht geben. Diese Auskunft erhielt die Fraktion der Grünen/Alternativen im Europäischen Parlament jetzt auf eine schriftliche Anfrage an die Europäische Kommission. Belgien, Niederlande und Deutschland müssen sich demnach auf eine umfassende grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung einlassen.
Seit Jahren dringt Belgien darauf, dass die vor 15 Jahren aufgegebene historische Trasse geöffnet wird. In Deutschland wird als Alternative ein Streckenneubau von Elmpt/Grenze bis Viersen diskutiert. Heftige Kritik üben von Budel/Weert (Niederlande) bis Krefeld alle Städte und Gemeinden an solchen Plänen: Die Belastung der Bürger entlang der Strecke sei unverantwortlich hoch. Nach Auffassung der Grünen im Europäischen Parlament vernachlässigen alle Pläne zur Reaktivierung oder für einen Neubau die schädlichen Folgen für die gesamte Umwelt. Bisher haben nur die Niederlande in Mittellimburg eine solche Untersuchung vorgenommen. Die Grünen fordern daher grenzüberschreitende Prüfungen, „damit die Trassenvariante ausgewählt werden kann, die den geringsten Schaden verursachen wird.“
Die Kommission weist in ihrer Antwort darauf hin, dass der Eiserne Rhein Teil der transeuropäischen Bahnachse Lyon-Genua-Basel, Duisburg, Rotterdam/Antwerpen ist. Im Aktionsprogramm zur Entwicklung eines transeuropäischen Transportnetzes (TEN-T) von 2007 bis 2013 gibt die Kommission Geld auch für Untersuchungen zum Eisernen Rhein. So müssten die Auswirkungen auch hinsichtlich der Lärmentwicklung geprüft werden. Eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung sei Teil solcher Untersuchungen. Angesichts der sehr unterschiedlichen Aktivitäten in allen drei Ländern erwägt die Kommission die Einsetzung eines Koordinators für die Verbindung von Lyon nach Rotterdam/Antwerpen (Prioritätsprojekt/PP 24). Ihm werde auch die Betreuung des Eisernen Rheins übertragen, um die grenzüberschreitenden Untersuchungen zu koordinieren. Die Europäische Kommission ist nur dann bereit, sich finanziell zu engagieren, wenn ihre Bedingungen erfüllt werden.
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.161 Datum: Samstag, den 12. Juli 2008 Seite: Nr.9
Für die Grün-Alternative Liste haben Joost Langendijk (NL), Bart Staes (B) und Michael Cramer (D) die Anfrage an die EU-Kommission gestellt. Aktivitäten Die Grünen haben unlängst auf allen Ebenen von Antwerpen bis Duisburg politische Aktivitäten entwickelt, die sich auf kommunaler, regionaler, Landes-, Bundes- und Europaebene mit dem Eisernen Rhein befassen
Den nationalen und förderalen Wuseleien rund um das Projekt „Eiserner Rhein“ hat die Europäische Kommission erst einmal ein wirkungsvolles Stöckchen vorgeschoben: Die Botschaft auf die Anfrage der Grünen im Europaparlament ist eindeutig: Europäisch denken und nicht einzeln loslaufen und irgendetwas machen, was einem gerade so einfällt. Dass europäische Maßstäbe des Umweltrechts in den Mittelpunkt dieses Handelns gestellt werden, macht zuversichtlich. LUDGER PETERS
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.161 Datum: Samstag, den 12. Juli 2008 Seite: Nr.9

Für unangemessen und kurzsichtig halten deutsche, niederländische und belgische Grüne die derzeitigen Entscheidungsvorbereitungen für die so genannte Wiederbelebung des Eisernen Rheins. Sie fordern eine strategische und transparente Umweltprüfung mit europäischer Perspektive für diesen Abschnitt der transeuropäischen Eisenbahnverbindung Lyon/Genua - Basel - Duisburg - Rotterdam/Antwerpen.
Wie so oft: Statt weiter die Belange Schwalmtals zu verfolgen, haben sich CDU und FDP wieder auf Parteiräson besonnen und nehmen ihren Vorwahlkampf ernster als die Interessen unserer Gemeinde.
Anders ist es nicht zu erklären, dass der CDU-Landtagsabgeordnete und Ortsparteivorsitzende Dr. Stefan Berger -unterstützt von der CDU-Fraktion im Rat - in einem jüngst in Schwalmtal verteilten Flugblatt voller Stolz sein angebliches Nein zum Eisernen Rhein hochhält und der SPD und den Grünen mangelndes politisches Rückgrat unterstellt. Tatsächlich hat er im Landtag als einziger dagegen gestimmt, bei der Trassenuntersuchung zum Eisernen Rhein die Gemeinde Schwalmtal zu beteiligen und die Belange der Anwohner(innen) und des Naturschutzes zu berücksichtigen. Weder ist es ihm gelungen, den übereilten A52-Beschluss innerhalb seiner Fraktion zu verhindern noch hat er sich danach zum Eisernen Rhein geäußert: Stattdessen begleitet er still und treu seinen Verkehrsminister Wittke - und das sogar auf dem Podium einer Bürgerversammlung zum Eisernen Rhein in Hardt. Merkt die CDU Schwalmtal nicht, welch riskantes Doppelspiel ihr Landtagsabgeordneter und Ortsvorsitzender spielt? Den Bericht aus der Rheinischen Post zum Flugblatt können Sie
hier nachlesen.
Hat sich auch der FDP- Landtagsabgeordnete Dietmar Brockes seine Schwalmtaler Parteifreunde zur Brust genommen? Anders ist es eigentlich nicht zu erklären, dass der Schwalmtaler FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Dieter Heinrichs der Eisernen Rhein - Resolution, an deren Formulierung er als Arbeitskreismitglied mitgewirkt hat, wenige Tage später im Planungsausschuss nicht mehr zustimmen kann. Die Resolution käme zur falschen Zeit, habe die falsche Form und sei nicht zielführend. Fragt sich nur, welches Ziel er mittlerweile meint...Immerhin konnte sich die FDP-Fraktion im Rat am 15. April sich nicht einmal mehr zu ihrer Enthaltung im Planungsausschuss durchringen. Sie stimmte gegen die gemeinsame Resolution.
Im Kampf gegen den Eisernen Rhein übten die Schwalmtaler Ratsfraktionen bisher den Schulterschluss. Ein Flugblatt der CDU sorgt jetzt für Ärger. Grüne und SPD verlangen eine öffentliche Entschuldigung.
VON HELGA SEIFERT
Schwalmtal. Statt Einigkeit herrscht Zwist. Gerade noch hatten die Ratsfraktionen in Schwalmtal im Arbeitskreis „Eiserner Rhein” gemeinsam eine Resolution zur Schienentrasse entlang der A 52 verfasst, da krachte es. „Ich verlange von Ihnen eine offizielle Entschuldigung”, wetterte Grünen-Chef Jürgen Heinen im Planungsausschuss und schaute CDU-Fraktionschef Lothar Höckendorf ernst an. In Rage gebracht hatten ihn und die Ratskollegen der SPD ein Flugblatt der CDU mit dem Titel „Nein zum Eisernen Rhein”.
Neben vielen Sachaussagen, die wohl alle im Schwalmtaler Rat vertretenen Parteien im Kampf gegen die Güterverkehrsstrecke unterzeichnen würden, wird darin gegen SPD, FDP und Grüne starkes Geschütz aufgefahren. So behaupten die Christdemokraten: „Alle Landtagsabgeordneten von SPD, FDP und Grünen stimmten für den ,Eisernen Rhein’ entlang der A 52.” Dass dies sachlich falsch ist, machte Udo Brechtel (SPD) deutlich, als er den Wortlaut des Beschlusses zitierte: „Der Landtag beschließt, dass die möglichen weiteren Planungen zum Projekt ,Eiserner Rhein’ vorangetrieben werden können. Lärmschutz für die Menschen muss hier bei allen weiteren Schritten oberste Priorität haben.” Das sei kein Votum für den „Eisernen Rhein” entlang der A52-Trasse, so Brechtel. Im übrigen hätten dieser Formulierung auch fast alle CDU-Abgeordneten (eine Nein-Stimme, sechs Enthaltungen) zugestimmt.
Noch mehr erzürnte SPD und Grüne, dass ihre Landtagsabgeordneten nach ihrem Votum im Landtag jetzt angeblich in Erklärungsnot gerieten „und es vor Ort als politische Großtat feierten, dass ausreichender Lärmschutz mit beschlossen wurde“. Wörtlich heißt es im CDU-Flugblatt weiter: „Auf Veranstaltungen beklagen die Landtagsabgeordneten von SPD und Grünen nun die Zerstörung von Natur und Landschaft. Ein wenig überzeugender Versuch, mangelndes politisches Rückgrat zu kaschieren.”
Die CDU bezieht sich dabei auf eine Veranstaltung zum Eisernen Rhein, die die Grünen in Abstimmung mit CDU-Bürgermeister Reinhold Schulz durchgeführt hatten. Für Schulz war die Teilnahme daran selbstverständlich, während Höckendorf und Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Berger (er wird als Drahtzieher des Flugblattes vermutet) fernblieben. Höckendorf setzte in der Diskussion noch einen drauf: „Es trifft doch zu, dass Ihre Abgeordneten durch die Lande tingeln und sich vom eigenen Beschluss distanzieren.” „Sie waren doch gar nicht auf dieser Veranstaltung, also können Sie auch nicht wissen, was dort gesagt worden ist”, entgegnete Grünen-Chef Heinen. Am Ende war es der Umweltpartei zu verdanken, dass der Zwist nicht ausartete. „Stellen Sie das richtig, damit wir weiter Schulter an Schulter kämpfen können“, lautete ihr Appell an die CDU. KOMMENTAR
- /HELGA SEIFERT
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.86
Datum: Samstag, den 12. April 2008
Seite: Nr.12
Ob der Eiserne Rhein entlang der A 52 kommt, wird weder in Schwalmtal noch in Düsseldorf entschieden. Die Politiker vor Ort können sich lediglich stark machen für die Interessen der betroffenen Bürger. Die zu vertreten, reklamieren alle Parteien für sich, weshalb die geplante Güterverkehrsstrecke sich auch nur bedingt als Wahlkampfthema eignet. Die CDU scheint dies anders zu sehen. Ihr Flugblatt zum Eisernen Rhein ist gespickt mit Verunglimpfungen des politischen Gegners. Dieses unfaire und unsachliche Vorwahlkampf-Geplänkel ist nicht der Stil von Fraktionschef Lothar Höckendorf, auch wenn der dafür den Kopf hinhält. Dahinter steckt Gemeindeverbandsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Berger, der mit seinem Nein zur Trassenuntersuchung bisher nicht punkten konnte. In seiner Ablehnung sehen viele reines Kirchturmsdenken, das in der Argumentation nicht überzeugt und den Bürgern in Schwalmtal nicht hilft. In deren Interesse wäre es wünschenswert, dass die CDU schnell zu ihrer sachlichen Linie zurückfindet und gemeinsam mit Bürgermeister Reinhold Schulz sowie den anderen Ratsfraktionen den Schulterschluss gegen den Eisernen Rhein übt. Ein Alleingang schwächt die Position der Gemeinde. HELGA SEIFERT
SCHWALMTAL Es gibt Themen, über die sich sogar grüne Ratsherren und schwarze Bürgermeister einig sind. Der Eiserne Rhein ist so eines. Schwalmtals Bürgermeister Reinhold Schulz und Grünen-Ratsmitglied Jürgen Heinen wollen den Widerstand gegen die A52-Trasse des Eisernen Rheins bündeln und verstärken. Dies betonten beide vor rund 120 Zuhörern auf einer Informationsveranstaltung der Kreis-Grünen in Waldniel. Schulz, den Grünen-Kreisvorsitzender Manfred Böttcher wegen seiner offenen Kritik an NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke zur „Symbolfigur des Widerstands“ stilisierte, sieht die Gemeinde Schwalmtal noch in einer Einzelkämpferrolle. Darin könne sie wenig bewirken. Wenn es gelänge, die Kräfte von Krefeld bis zur Grenze zu bündeln, „hätten wir 300000 Stimmen“, sagte Schulz.
Doch die Amtskollegen in den Nachbarkommunen „halten sich bedeckt“, so Schulz mit Blick auf die Bürgermeister Günter Thönnessen (Viersen) und Herbert Winzen (Niederkrüchten). „In anderen Kommunen ist es offenbar schwieriger, den Widerstand voranzubringen“, meinte Heinen. Das sei dann eben Sache der Wähler.
Keine neuen Fakten
Neue Fakten gab es auf dem Infoabend nicht. Horst Becker, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, musste zunächst Kritik einstecken, weil seine Fraktion dem Landtags-Beschluss zur A52-Trasse im Dezember 2007 zugestimmt hat. Becker betonte allerdings, dass gerade die Grünen in der verabschiedeten Fassung des Antrags erhebliche Verbesserungen und Präzisierungen zum Beispiel beim Lärmschutz durchgesetzt hätten. Jan Luining, Verkehrsexperte der Kreis-Grünen, kritisierte dennoch, dass der Landtag keine ergebnisoffene Untersuchung befürwortet habe, sondern mit seinem Beschluss die A52-Trasse vorzeichne. Sorgen, dass mit einem möglichen Logistikzentrum auf dem ehemaligen Militärflughafen Elmpt ein Frachtflughafen installiert werden könnte, hält Landtagsmitglied Becker für unbegründet. Gerade erst sei die Genehmigung für nächtlichen Frachtflug auf dem Flughafen Köln/Bonn bis 2030 verlängert worden. Für Frachtflug in Elmpt gebe es schlicht keinen Bedarf. Ob sich in Elmpt ein Logistikzentrum realisieren lässt, das wohl Teile der Vorabfertigung für den überlasteten Hafen Antwerpen übernehmen solle, versah der Landtagsabgeordnete Becker „mit einem dicken Fragezeichen“. Sein Rat an die Widerstand leistenden Kommunen und Bürgerinitiativen: „Einen sehr guten Fachanwalt besorgen, Widersprüche herausarbeiten, Anfragen stellen.“
/JOCHEN SMETS Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.34 Datum: Samstag, den 09. Februar 2008 Seite: Nr.14
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Interview mit Marianne Lipp und Manfred Böttcher, Sprecher des Kreisverbandes der Grünen über den Eisernen Rhein. Beide üben harsche Kritik an Verkehrsminister Wittke und am Landtag.
KreisViersen Massive Kritik müssen die Abgeordneten des NRW-Landtags im Kreis Viersen einstecken. Sie werfen ihnen unverantwortliche Oberflächlichkeit im Umgang mit dem Thema „Eiserner Rhein“ vor. Vor allem das frühe Einschwenken auf eine Trassenplanung entlang der Autobahn 52 stößt auf harsche Kritik. Mit den Sprechern der Grünen auf Kreisebene, Marianne Lipp (Niederkrüchten) und Manfred Böttcher (Schwalmtal), sprach RP-Redakteur Ludger Peters.
Liefern der Minister und der Landtag vorbildliche Arbeit für die Bürger?
Böttcher Im Gegenteil. Die Abgeordneten demonstrieren mit Nachdruck, wie man Politikverdrossenheit weckt und fördert. Sie jagen Trugbildern hinterher und lassen sich von Fakten und fundierten Einwänden nicht abhalten.
Sie prangern die plötzliche Eile des Ministers und des Landtags an.
Lipp Das muss ja stutzig machen. Im Sommer hat Minister Wittke das Blaue vom Himmel herunter versprochen, was er gemeinsam mit den Bürgern machen wolle. Nichts davon hat er freiwillig eingehalten. Man muss schon froh sein, dass in den jüngsten Beschluss die Beteiligung der Kommunen überhaupt aufgenommen wurde.
Wie erklären Sie sich die Eile?
Böttcher Seitdem der Begriff PPP, der für eine private Beteiligung, also für einen Investor steht, im Verfahren aufgetaucht ist, machen wir uns so unsere Gedanken. Es wäre nicht abwegig, wenn potenzielle Investoren aus der Antwerpener Hafen- oder chinesischen Reederszene den Politikern immense Wertschöpfungen und Steuereinnahmen versprochen hätten. Undurchsichtig ist für uns auch die Rolle des Bundesverkehrsministeriums, das dem Vernehmen nach im Hintergrund mächtig Druck ausübt.
Es wird behauptet, der frühere NRW-Staatssekretär Hennerkes, SPD, habe bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Bundesverkehrsminister, sein Lieblingsspielzeug Eiserner Rhein wieder ausgepackt.
Lipp Was im Hintergrund abläuft, darüber kann man nur spekulieren. Hennerkes hat in Düsseldorf immer auf die Öffnung der alten Trasse gedrängt und die A40-Variante nie wirklich untersuchen lassen. Die Tür alte Trasse hat Minister Wittke zugeschlagen, vielleicht hält er nun an der A40 ruhig. Dafür wird dann die A52-Trasse geplant.
Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem angeblichen Logistikzentrum auf dem Ex-Flughafen in Elmpt?
Böttcher Man verteilt an Kommunalpolitiker gerne Zückerchen, um sie ruhig zu stellen. Wer von dem Zentrum träumt, muss den Bürgern die Frage beantworten, ob er ihnen den Lärm von Autobahn, Bahn, Flughafen, erhöhten Lkw-Verkehr sowie den Transport von Gefahrgütern für ein paar Arbeitsplätze zumuten will. Zum Flughafen: Wir trauen Wittkes Zusagen zur endgültigen Schließung des Fluggeländes nach seinem Wortbruch zum Thema Transparenz nicht mehr.
Sie misstrauen auch einigen Zahlen.
Lipp Zurecht. Die angebliche Wachstumsprognose des Güterverkehrs - plus 60 Prozent bis 2015 - wird seit 1997 ohne Quellenangabe überall genannt. Ob’s stimmt, fragt kein Landespolitiker. Und wir haben die große Sorge, dass vom Chemiehafen Antwerpen aus hochbrisante Güter durch die bevölkerungsreiche Region entlang der Strecke geschickt werden. Auch das hat keiner näher untersucht. Was soll überhaupt da transportiert werden?
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.296
Datum: Freitag, den 21. Dezember 2007
Seite: Nr.10
Zur Entscheidung des NRW-Landtags „Den Eisernen Rhein zügig realisieren“ vom 7.12. 2007 erklären und fragen Marianne Lipp und Manfred Böttcher für den Viersener Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen:
Derzeit demonstrieren uns die nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten, wie Politikverdrossenheit entstehen kann. Denn offenbar jagen die Landespolitiker(innen) bei der voreiligen Festlegung auf die A52-Trasse für den Eisernen Rhein Trugbildern hinterher und wollen sich durch Fakten und Einwände nicht stören lassen. Anders können wir es uns nicht erklären, dass sie vor dieser überhasteten Grundsatzentscheidung weder mit den betroffenen Bürger(innen) reden wollten noch das für Mitte Dezember 2007 angekündigte Vertiefungsgutachten zur A52-Trasse abwarten konnten.
Haben potenzielle Investoren aus der Antwerpener Hafen- oder chinesischen Reederszene den Politikern solch immense Wertschöpfungen und Steuereinnahmen für NRW versprochen, dass es ihnen nur noch darum geht, der Bundesregierung so schnell wie möglich grünes Licht für die A52-Eiserner-Rhein-Trasse zu geben? Gelten mögliche Folgen für die Entwicklung des Kreises Viersen in Düsseldorf als hinnehmbarer Kollateralschaden, der durch leere Lärmschutzversprechen klein geredet werden kann? Schließlich sind ja nicht die Landespolitiker für deren Einhaltung zuständig.
Zeigte Bodo Wißen (SPD) in der Landtagsdebatte, wie Landespolitiker mit Einwänden vermeintlicher Provinzdeppen umgehen, als er Rüdiger Sagels (Linke) Hinweise auf Einwände des Schwalmtaler Bürgermeisters Reinhold Schulz mit ironischen Bemerkungen zum angeblichen Anteil der Kommunisten im Schwalmtaler Rat abtat?
Haben die Landtagsabgeordneten ihren persönlichen Lärmschutz schon so weit perfektioniert, dass sie die Stimmen der betroffenen Bürger nicht mehr hören? Hat einer der Landespolitiker einmal die vielfach kolportierte Wachstumsprognose des Güterverkehrs – 60% bis 2015 – kritisch hinterfragt? Denn diese Zahl wird schon seit 1997 ohne Quellenangabe regelmäßig in die Welt gesetzt. Gilt es mittlerweile schon als besonders dringende politische Herausforderung, auch die Gütertransporte zu unterstützen, die womöglich nur durch Lohndrückerei und zu niedrige Transportkosten hervorgerufen werden? Warum wird dem Kreis Viersen als einziger Gewinn aus der A52-Trasse ein Logistik-Park in Elmpt versprochen? Müssen wir die für Elmpt angekündigten Arbeitsplätze am Ende nicht nur mit Bahnlärm, sondern womöglich auch mit Fluglärm, mehr LKWs und erhöhten Risiken durch Gefahrgüter bezahlen? Denn nur besondere Sicherheitsvorkehrungen für riskante Waren und Rohstoffe, extreme Flexibilität für Kleinmengen und günstige Fluganbindungen machen eine „Logistikdrehscheibe Elmpt“ in der Region konkurrenzfähig.
Besonders bedauern wir, dass die grüne Landtagsfraktion mit der Beteiligung am Entschließungsantrag ihrer Oppositionsrolle nicht gerecht wurde. Anstatt offene Fragen und Einwände anzusprechen, hat sie sich dem unnötigen Zeitdruck der Landesregierung unterworfen und den Entschließungsantrag einstimmig unterstützt. Offenbar in der Angst, als technikfeindliche Verhinderer gebrandmarkt zu werden, haben sich auch die grünen Landtagsabgeordneten von angeblichen Wertschöpfungschancen der A52-Trasse blenden lassen. Wir halten es für schlechten Politikstil, eine so wichtige Grundsatzentscheidung in vorweihnachtlicher Hektik ohne eine sachgerechte Analyse zu fällen.
Wir fordern den Landrat und die Bürgermeister aus Niederkrüchten, Schwalmtal, Willich und Viersen sowie alle Kommunalpolitiker(innen) und Bürger(innen) auf, die weitere Planung der Eisernen Rhein –Trasse unabhängig von parteipolitischen Interessen so zu begleiten, dass am Ende der Kreis Viersen nicht nur Lasten und Kosten trägt und lediglich Neuss, Düsseldorf, Köln oder Duisburg profitieren
"Sicherheit vor Schnelligkeit" fordern die Grünen im Kreis Viersen bei der Planung der NRW-Trasse des Eisernen Rheins.
Kreisvorsitzender Manfred Böttcher und der grüne Verkehrsexperte Jan Luining haben am 8.11.2007 die Sitzung des NRW-Ausschusses für Bauen und Verkehr mit Staunen verfolgt. Luining: „Statt des für Oktober versprochenen vertiefenden Gutachtens über mögliche Trassenvarianten lieferte Gutachter Hans Königs lediglich einen Powerpoint-Vortrag. Offenbar sollte er den Parlamentariern die Botschaft vermitteln, dass der Eiserne Rhein auf NRW-Seite nur über die A52 -Trasse geführt werden könne. Das Gutachten aber soll erst Mitte Dezember – kurz vor Weihnachten - der Öffentlichkeit zugänglich sein.“ Böttcher hat den Eindruck gewonnen, dass „CDU-Bauminister Oliver Wittke die A52-Variante schnellstmöglich und mit Hochdruck durchpowern will, weil bei der A 40- Trasse CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und bei der Historischen Trasse das EU-Recht nicht mitspielt. Ich bin gespannt darauf, wie die CDU-Landtagsabgeordneten der Region Krefeld-Viersen mit Wittkes Zeitdruck umgehen, vor allem wenn entscheidenden Fragen unbeantwortet bleiben."
Der grüne Kreisvorstand war sich in seiner Sitzung am 10.11.2007 einig: „Bei der NRW-Trasse geht es nicht darum, dem Bundesverkehrsministerium möglichst schnell eine NRW-Position für Gespräche mit den niederländischen und belgischen Regierungen zu liefern, sondern es geht um eine zukunftsfähige Eisenbahnverbindung mit einem abgestimmten Konzept für die ganze Strecke. Sie sollte nicht nur Durchfahrt für täglich mehr als 72 Güterzüge mit Dieselloks bieten, sondern auch der Region dienen und sie darf den Menschen, Pflanzen und Tieren nicht schaden. Bei der Suche nach der bestmöglichen Trassenführung eignet sich eher ein neutral organisiertes, europafähiges, grenzüberschreitendes Mediationsverfahren als ein unter Zeitdruck erstelltes Auftragsgutachten - produziert von einem Institut, das womöglich aus Schnelligkeitsgründen auf einen veralteten Datenbestand zurückgreift, den es bei der der A52-Verlängerung aufgebaut hat. Wer so die berechtigten Interessen von Anwohnern auf Lärmschutzwände und Flüstergleise reduzieren will, muss mit Widerstand rechnen.“
Grüne Arbeitsgruppe zur Eisernen Rhein- A52 Debatte: Nachhaltiges Gesamtkonzept statt kurzatmiges Doppelspiel
„Dieses Gutachten ist was für den Papierkorb“ - so fasst Verkehrsexperte Jan Luining das Ergebnis der Arbeitsgruppe „Eiserner-Rhein und A52-Trasse“ beim Vorstand der Grünen im Kreis Viersen zusammen. „Es wirft mehr Fragen auf als es Anworten gibt. Was ist zum Beispiel mit Kosten, Arbeitsplätzen, Feinstäuben, Dieselruß und Sicherheit? Wir warten jetzt auf das bereits angekündigte Vertiefungsgutachten.“
Schon vor sechs Jahren haben die Grünen der Region Niederrhein für den „Eisernen Rhein“ ein Gesamtkonzept gefordert, das Ausssagen zu verschiedenen Streckenführungen, deren ökonomische und ökologische Folgen und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen und Maßnahmen unter Einbeziehung eines angemessenen Gesundheitsschutzes vor Lärm und Erschütterung enthält. Jürgen Heinen, grüner Fraktionsvorsitzender aus Schwalmtal, schimpft: „Stattdessen erhalten wir ein schludrig zusammengestelltes Papier – in sich widersprüchlich mit falschem Kartenmaterial und einer nicht nachvollziehbaren Bevorzugung der A52-Variante. Das erzeugt Widerstand.“
Die Grünen werden den Verdacht nicht los, dass es der CDU in NRW und im Kreis Viersen auch darum geht, Zeit zu gewinnen. Vorstandssprecher Manfred Böttcher: „Verkehrsminister Wittke und der ehemalige Antwerpener Hafensenator Leo Baron Delwaide gaben das Gutachten offenbar in Auftrag, um dem Duisburger Hafen, der Europäischen Kommission, dem Bundesverkehrsminister und den heiß umworbenen asiatischen Reedern zu signalisieren, dass mit der Wiederbelebung des Eisernen Rheins und der angeblich unproblematischen A52-Trasse auf deutscher Seite die geforderte kurze Antwerpener Hinterlandanbindung kommt.“ Gleichzeitig aber provozierten Wittke und die CDU den Widerstand betroffener Bürger und Naturschützer. Zum Beispiel wecke das voreilige Gerede von ökologischer Unbedenklichkeit, Personennahverkehr oder vom großen Elmpter Logistikzentrum keine Hoffnungen, sondern eher Befürchtungen - und das nicht nur bei den Niederländern.
Heinen: „Wenn noch mehr Güterzüge ins Helenabrunner Nadelöhr drängen, geht dies auf Kosten des Schienennahverkehrs. Die A52-Trasse für den Eisernen Rhein bedeutet eher weniger Personenverkehr.“ Grünen-Sprecherin Marianne Lipp ergänzt: „Einige Niederkrüchtener reden ja jetzt schon von einem militärisch abgesicherten Umschlagsplatz für Müll und Gefahrgut und von neuen Fluglärmbelastungen. Und groß inszenierte aber nichtssagende Begegnungen zwischen dem Minister und den örtlichen CDU-Vertretern helfen da auch nicht weiter.“
Der grüne Regionalratsvertreter Manfred Wuttke mahnt: „ Europäischer Binnenmarkt und gobaler Handel stehen auch für eine atemberaubende Inflation der Container-Transporte.und für einen erbitterten Konkurrenzkampf der Häfen z.B. zwischen Hamburg, Rotterdam und Antwerpen. Und mittlerweile drängen chinesische Investoren massiv in den europäischen Markt.“ Reiner Neuss (Viersen) ergänzt: „Angesichts der dramatischen Wachstumsraten muss die Politik in der Region für eine leistungsfähige, nachhaltige, umwelt- und gesundheitsfreundliche Infrastruktur sorgen, von der auch der Kreis Viersen wirklich profitieren kann. Hier ist jetzt die CDU/FDP Landesregierung in der Pflicht.“
Dass dabei auch zukünftige Arbeitsplätze im Venloer Tradeport für den Kreis Viersen bedeutsam sein können, steht für die Grünen fest. Jan Luining rechnet vor: „Das Güterwachstum an den vier Nordseehäfen Antwerpen, Vlissingen, Rotterdam und Amsterdam wird bis 2030 um 50 – 70% ansteigen. Das sind rund 450 Güterzüge täglich, und die passen nicht zu einer eingleisigen Diesellockstrecke aus dem 19. Jahrhundert. Für dieses Wachstum braucht man drei leistungsstarke zweigleisige Schienenstrecken.“
Die Hoffnung, dass der Eiserne Rhein - auf welcher Trasse auch immer - den LKW-Verkehr reduziert und alle Logistik-Probleme der Zukunft löst, haben die Kreis-Grünen aber nicht. Immer wieder sei nachzulesen, dass ein Großteil des massiv wachsenden weltweiten Handels aus internem Warenaustausch und Veredelungsverkehr innerhalb global agierender Unternehmen bestehe und der Handel von Waren derselben Art massiv wachse. So werden in Deutschland zum Beispiel. nahezu genauso viel Milch- oder Tierfutterprodukte importiert wie exportiert. Die Grünen bezweifeln, dass der Verbraucher immer davon profitiert. Böttcher:„Zwar benötigen wir derzeit mehr transeuropäische Verbindungen, aber bessere Verbindungen erzeugen oft mehr Verkehr. Transportsteigerung bedeutet nicht automatisch Wohlstandsgewinn. Ohne ökologisch gerechte Transportsteuern, ohne sozial gerechte Löhne und ohne kluge regionale Vernetzungen der Produktionsprozesse wird auch ein „Eiserner Rhein“ nicht verhindern, dass das globale „just in time“ – Transportunwesen in den Kollaps rast.“
"Verärgert“ ist der Grünen-Kreisvorstand darüber, wie vielstimmig und blauäugig die ersten Reaktionen aus dem Westkreis zur vorgeschlagenen A52-Trasse des „Eisernen Rheins“ ausfielen, noch bevor der Ergebnisbericht „Grenzüberschreitender Schienengüterverkehr zwischen Antwerpen und Nordrhein-Westfalen“ erhältlich war. Besonders ärgert die Grünen, dass der Bericht bereits im Oktober 2006 fertiggestellt wurde, Minister Oliver Wittke ihn aber bis jetzt zurückgehalten hat, angeblich um noch Gespräche mit Belgien, den Niederlanden und dem Bundesverkehrsministerium zu führen.
Auch die für den Kreis Viersen zuständigen Landtagsabgeordneten beteiligten sich offenbar an dieser Geheimniskrämerei. Grünen-Sprecherin Marianne Lipp: „Und so kam was kommen musste: anstatt sich im Westkreis zusammenzuschließen, das Gutachten unter Heranziehung von Fachleuten gemeinsam kritisch zu bewerten, versuchte jeder Bürgermeister schnell irgendwo aufgefangene Informationsfetzen zu kommentieren. Und am Ende spielen sich womöglich Schwalmtal, Niederkrüchten und Viersen gegenseitig aus.“
An die Chancen, die die A52-Trasse dem Kreis Viersen angeblich bieten könnten, glaubt der Grünen-Vorstand nicht. Sprecher Manfred Böttcher: „Im Gutachten finde ich keine Anhaltspunkte, die eine Öffnung für den Personennahverkehr nahelegen. Diese Chance für den Westkreis haben die Schwalmtaler CDU und FDP spätestens Ende der 1990er Jahre verspielt als sie gegen grünen Widerstand die letzten Nahverkehrsgleise zwischen Waldniel und Dülken aufgaben. Hier geht es nicht um Bahnbusse, sondern um das Transeuropäische Güterverkehrsnetz zur Binnenmarktentwicklung in der EU. Und der Kreis Viersen wird aufgefordert, dazu eine 34 km umfassende Trasse entlang der A 52 in mit einem 1,2 km langen Tunnel am Rande des Elmpter Walds, mit 1,9 km Lärmschutz und 25 Brücken zu dulden, damit täglich 50 – 60 vornehmlich schwere Güterzüge mit einer einer durchschnittlichen Mindestgeschwindigkeit von ca. 60 km pro Stunde Waren und Gefahrgut transportieren können ."
Marianne Lipp vermisst im Gutachten verwertbare Hinweise auf einen möglichen Cargo-Umschlagplatz und Jobmotor in Elmpt, den Christian Weisbrich in die Debatte eingebracht hat: „Es geht eindeutig um die schnellstmögliche Anbindung Antwerpens an Ost- und Südosteuropa über die Verteilerzentren in Duisburg und Köln. Dies ist kein wichtiger Standortfaktor für den Kreis Viersen, sondern ein Opfer, das ihm für den globalisierten und enorm wachsenden Warenverkehr abverlangt wird. Die angeblichen Chancen sind herbeigeredet.“
Die Grünen vermuten, dass vielleicht das im Oktober 2006 angekündigte Vertiefungsgutachten zur A52-Trasse schon vorliegt, aber auch erstmal geheim gehalten wird oder dass die politischen Freunde Oliver Wittkes in der Sommerpause vorsichtig Stimmung für die Trasse machen sollen, um Akzeptanzprobleme kleinzuhalten. Böttcher: „Nach unserem ersten Eindruck gibt es für die in Viersen, Schwalmtal und Niederkrüchten unmittelbar betroffenen Menschen große Risiken und Einschränkungen, die sich aus Lärm, erheblichen Beeinträchtigungen der Wohn- und Erholungsqualität, möglichen Umsiedlungen, zweifelhafter Sicherheit bei Gefahrguttransporten und aus der Gefährdung europarechtlich bedeutsamer Bereiche von Natur und Landschaft ergeben. Unmittelbare Chancen für den Kreis Viersen können wir nicht erkennen.“