BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Nelkenweg 2
41366 Schwalmtal
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SCHWALMTAL Beim „Grünen Donnerstag“ zum Thema Jugendgewalt beklagte Pädagogin Gaby Bailey das „katastrophale Verhalten“ von Eltern und forderte mehr Konsequenz und Regeln in der Erziehung: „Mit unendlicher sozialarbeiterischer Betroffenheit kommt man nicht weiter.“ Das folgert sie aus Jahrzehnte langer Arbeit mit auffälligen Jugendlichen. In Berlin-Kreuzberg habe sie mit türkischen Gangs gearbeitet, die „paar Jungs, die sich zu uns verirrt haben, hofiert, was das Zeug hielt“ - und sei gnadenlos gescheitert. Zwölf Jahre arbeitete sie anschließend in Irland, betreute deutsche Mädchen, die in der Heimat als unerziehbar galten.
Wer setzt den Eltern Grenzen? Aus geschlossenen Jugendeinrichtungen seien die Jugendlichen für mindestens ein Jahr auf die grüne Insel gekommen, ohne Hoffnung auf einen Schulabschluss. „In Deutschland hatten Psychiater festgestellt, sie seien nicht beschulbar, in Irland machten sie das Abitur“, fasste Bailey den Verlauf mancher Karrieren zusammen. Die irische Strenge habe sie „sehr konservativ“ werden lassen, sagte die Diplom-Pädagogin. Ganztagsschule als Lebensmittelpunkt der Kinder, Schuluniformen, vor allem aber „Strukturen und klare Definitionen der Rollen von Erwachsenen und Kindern“ hätten dafür gesorgt, dass am Ende ihrer Arbeit bei 126 Jugendlichen keine zehn Tage geschwänzter Schule zusammenkamen. Wenn sie die zu ihr kommenden Ergebnisse von Erziehung sehe, frage sie sich: „Wer setzt eigentlich den Eltern Grenzen?“ Sie beklagte eine „Verwöhnungs-Verwahrlosung“ - Fazit: „Wer nicht lernt, mit Messer und Gabel zu essen, der kommt in seinem Leben selbst mit Abitur nicht weit.“Anti-Gewalt-Trainer Bernd Parakenings ergänzte, er stelle bei seiner Arbeit immer wieder fest, dass er eigentlich nicht in die Schulklassen, sondern in die Elternhäuser gehen müsse. Er forderte vor allem, dass die Eltern sich mehr Zeit für ihre Kinder nehmen sollten. Grünen-Kreistagsabgeordnete Maria Beiten erinnerte in der von Manfred Böttcher geleiteten Diskussion an die Jugendlichen, die nicht auffällig werden. Auch denen fehlten in Schwalmtal Jugendeinrichtungen und gute Freizeitangebote. Markus Kurth, sozialpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion aus Dortmund, beklagte die „schnelle Suche nach einfachen Lösungen“. Jugendliche bräuchten mehr Anerkennung, sagte er. Der Schwalmtaler Grünen-Fraktionschef Jürgen Heinen berichtete von „kontinuierlich sinkenden Fallzahlen“ in der Gemeinde. Für Schwalmtal frage er sich: „Wo ist eigentlich das Problem?“ Dem widersprach Werner Thiel vom Kreis-Jugendamt: Die Zahl der von der Jugendgerichtshilfe erfassten Fälle sei in den letzten zehn Jahren um rund 50 Prozent gewachsen.
- /FRANK SCHLIFFKE
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.81 Datum: Montag, den 06. April 2009 Seite: Nr.14

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„Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt!“ Dieser Leitsatz aus den Gründungstagen der Grünen hat weiter Bestand. Denn ohne Kinder hat unser Land keine Zukunft. Kinder brauchen nicht nur Eltern, sondern ein ganzes Gemeinwesen, um gut leben zu können. Doch offenbar wird vielen Erwachsenen ein Teil der Zukunft fremd. Wenn man den Medienberichten glaubt, randalieren Halbstarke, Hooligans und Hasserfüllte mittlerweile regelmäßig in Schwalmtal, Brüggen und anderen Orten im Kreis Viersen. Die „verlorenen Söhne und Töchter“ machen den Erwachsenen Angst.
Ist Gewalt ein Teil der jugendlichen Entwicklung? Warum ist Gewalt attraktiv? War sie auf Schützenfesten oder bei Jugenddiscos schon immer da oder sprechen wir über ein neues Phänomen? Ist die fehlende Impulskontrolle biologisch bedingt? Ist Jugendgewalt Jungengewalt? Werden Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, selbst zu Schlägern? Gibt es Erziehungsstile, die Gewalt fördern? Fördern gesellschaftliche Entwicklungen und Medien die Gewalt? Welche Bedeutung haben Heuchelei und Inkonsequenz der Erwachsenen, z.B. beim Alkohol? Spielt es eine Rolle, aus welchem Kulturkreis die Täter kommen? Warum ist die Bildung wichtig? Helfen härtere Strafen? Wird die Spirale der Gewalt durch Fehler in der kommunalen Jugendpolitik angeheizt? Was muss geschehen, damit die „verlorenen Söhne und Töchter“ wieder gesellschaftsfähig werden?
Es diskutieren:
Gaby Bailey (Diplom-Pädagogin, Leiterin der „Courage“, Irland)
Maria Beiten (Kreistagsabgeordnete)
Jürgen Heinen (Fraktionsvorsitzender Schwalmtal)
Markus Kurth (MdB, sozialpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion)
Berd Parakenings (Bachelor Soziale Arbeit und Sozialpädagogik und Anti-Gewalt-Trainer)
Werner Thiel (Jugendamt Kreis Viersen)